England's Dreaming - Das britische Kino der 60er Jahre

Filmmuseum, Wien, 7. Februar bis 7. März 2013

James Bond, The Beatles und Ken Loach: Das Österreichische Filmmuseum zelebriert die Swinging Sixties on screen. Die aktuelle Schau widmet sich dem britischen Kino der 60er Jahre. Geträumt wird mit Richard Lester, Roman Polanski, Peter Watkins u. v. m.  

"Wenn es keine Zukunft gibt, wie kann es Sünde geben?" fragten sich anno 1977 die Sex Pistols in ihrer England-Hymne God Save The Queen. Zukunftsangst und Nonkonformismus bildeten zwar die Grundpfeiler der Punk-Attitüde, doch alleine darum ging es den Pistols nicht: Ihr Text markierte auch ein lautstarkes Abschiednehmen vom britischen Traum der Swinging Sixties, der nun endgültig vorüber schien. Stanley Kubricks Meisterwerk A Clockwork Orange (1971) hatte seine Schatten vorausgeworfen.
Doch Mode und Kulturboom der 1960er Jahre hin oder her: Gerade die britische Filmkultur schien zu dieser Zeit immer im Schatten ihrer übermächtigen Konkurrenz zu stehen. Egal, ob es sich dabei um die populäre Traumfabrik aus den USA oder das griffige Kunstkino aus Italien, Frankreich & Co. handelte. Dabei beherbergt gerade das Britkino einige der spannendsten Filmschätze dieser Ära. Wohl auch deshalb, weil der englische Traum und die darauffolgende Desillusionierung immer so nah beieinander standen.
So waren ein amoralisches Model, das nach gesellschaftlichem Aufstieg strebt, wie in John Schlesingers Darling (1965), oder ein ausgefuchster Geschäftsmann, der über Leichen geht, wie in Clive Donners großartiger Komödie Nothing but the Best (1964), ebenso wichtige Protagonisten des britischen Kinos, wie die erschreckend-authentischen Endzeitvisionen eines Peter Watkins in seinem Doku-Drama The War Game (1965). Während ein charmanter James Bond seinen Lust- und Tötungstrieb in den exotischsten Locations ausleben konnte, holte ein Ken Loach die BBC-Zuschauer mit dem grimmigen Sozialdrama Cathy Come Home (1966) brutal in die triste Realität zurück.
Dieses ambivalente Bild, das die Swinging Sixties Generation nach außen zeichnete, übertrug sich auch auf die Arbeiten ausländischer Filmemacher, wie Antonionis Blow Up (1966), Polanskis Repulsion (1965) oder Skolimowskis Deep End (1970), die dem damaligen britischen Way of Life mit einer explosiven Mischung aus Apathie und Sympathie begegneten. Der britische Traum endete, weil die amerikanischen Hollywood-Majors plötzlich den Geldhahn zudrehten: eine kuriose und doch nicht unerwartete Endnote.

Text: David Rams