NS-Propagandafilme I

Filmarchiv Austria, 4. bis 30. November 2016

Kino als politisches Instrument. Von offen polemisch bis subtil verhetzend: Das Wiener Filmarchiv widmet sich in einer brisanten Reihe den perfidesten Propagandafilmen der Nazis, die oft als „ganz normale Unterhaltung“ getarnt waren.

Simple Botschaften, aufwendig verpackt. Eines der großen Erfolgsrezepte der Nationalsozialisten war der souveräne Umgang mit den Massenmedien. Besonders das Kino eignete sich perfekt für Propaganda: Eine riesige Leinwand, über die man über Stunden hinweg die komplette Aufmerksamkeit einer ganze Menschenmenge auf sich ziehen konnte. Zwischen 1933 und 1945 wurden in Nazideutschland etwa 1.200 Filme produziert. Über 40 davon sind bis heute nur unter bestimmten Voraussetzungen für die Öffentlichkeit zugänglich. Diesen „Vorbehaltsfilmen“ widmet sich dieses Spezialprogramm in zwei Teilen – der erste Teil ist im November 2016 zu sehen, der zweite folgt im Frühjahr 2017.

Nach dem Sturz eines Terrorregimes ist der Impuls, jegliches Propagandamaterial im Mistkübel der Geschichte zu entsorgen, stark. Aber man nimmt sich damit auch eine Möglichkeit der Aufarbeitung: In einen aufgeklärten Kontext gesetzt, sind diese Filme ein großartiges Material, um die Mechanismen einer Diktatur erkennen und durchschauen zu lernen. Wie zum Beispiel Der ewige Jude, eine im Stil eines Dokumentarfilms inzenierte Hassattacke auf die jüdische Kultur, von Hitler und Goebbels persönlich „kuratiert“. Oder Veit Harlans Drama Jud Süß, eine mit damaligen Publikumslieblingen (u. a. Werner Krauß, Heinrich George oder Kristina Söderbaum) groß besetzte Geschichte um die historische Figur Joseph Süß Oppenheimer, dessen Vita im Sinne der Ideologie grotesk verzerrt wurde. Gezeigt wird auch der UFA-Jugendfilm Hitlerjunge Quex um einen Jungen (Jürgen Ohlsen), der als Sohn eines brutalen Marxisten(!) aufwächst und schließlich bei der Nazi-Jugendorganisation Ordnung, Disziplin und Kameradschaft findet.

Neben weiteren bekannten Beispielen des NS-Propagandafilms, wie Heimkehr (mit Paula Wessely) oder Ohm Krüger (mit Emil Jannings), wird der Mantel des historischen Schweigens auch einigen fast vergessenen Machwerken ausgezogen: Wie dem Biopic Carl Peters (mit Hans Albers), in dem die Wege des gleichnamigen, extrem rassistischen Afrikaforschers nachgezeichnet werden, oder Flucht ins Dunkel, dessen Hauptdarsteller Joachim Gottschalk später wegen seiner Loyalität zu seiner jüdischen Ehefrau in Ungnade fiel.

Die Filme werden begleitet von Einführungen, Diskussionen sowie einem Wochenschau-Vorprogramm. Am 10.11. findet im Anschluss an Jud Süss eine Podiumsdiskussion statt.

filmarchiv.at