Land in Sicht

Metro Kinokulturhaus, Wien, 9. November bis 4. Dezember

Ein Ort zum Ankommen. Im November widmet sich das Filmarchiv Austria im neu renovierten Wiener Metro Kinokulturhaus der filmischen Aufarbeitung von Flucht und Vertreibung: Über 30 Werke und ein umfangreiches Rahmenprogramm laden zum Betrachten und Diskutieren ein.

Flucht-Bilder. Tag für Tag konfrontieren uns die Medien mit neuen Bildern von vertriebenen Menschen, die auf der Suche nach Schutz und einem sicheren Zuhause unheimliche Strapazen und großes Leid überwinden müssen. Doch in den Nachrichtenbildern bleiben ausgerechnet die wichtigsten Details dieser Massenbewegung außen vor – die Ängste, Sorgen und Erlebnisse der geflüchteten Kinder, Frauen und Männer, die als Gesamtheit wohl mehr dramatische und mitreißende Geschichten erzählen könnten als die Filmgeschichte jemals hervorgebracht hat.

Genau jenen Geflüchteten, Vertriebenen und Daheimgebliebenen möchte das Filmarchiv Austria in seiner November-Schwerpunktreihe Land in Sicht eine filmische Plattform geben. Bereits der sensible Eröffnungsfilm der Schau, Marzia, My Friend (2014), verdeutlicht die Komplexität und Vielschichtigkeit dieses gesellschaftlichen Brennpunkt-Themas: Im Mittelpunkt der Langzeitdokumentation stehen zwei junge afghanische Frauen in ihren 20ern, die trotz eines repressiven und instabilen gesellschaftlichen Umfelds von Unabhängigkeit und Frieden zu träumen wagen.

Die zentralen Themen Flucht und Vertreibung äußern sich in den knapp 30 Filmbeispielen jedoch nicht nur auf direkte Weise, wie bspw. in Arash T. Riahis grandioser Tragikomödie Ein Augenblick Freiheit (2008) oder in Nina Kusturicas bewegender Flucht-Momentaufnahme Little Alien (2009), sondern können z.B. auch sinnbildlich für den Beginn eines beschwerlichen Weges stehen, der in eine ungewisse Lebensrealität mündet: Mama Illegal von Ed Moschitz (2011) porträtiert das Schicksal der drei moldawischen Damen Aurica, Raia und Natascha, die ihre Heimat verlassen mussten, nur um im „gelobten Mitteleuropa“ als Putz- oder Pflegehilfen jene elementaren Jobs zu verrichten, für die sich „die anderen“ meist zu schade sind.

The Voice of Refugees. Neben einem Schwerpunkt der Reihe auf filmische Arbeiten aus Syrien sowie dem Werk des
serbischen Filmautors Goran Rebic soll Land in Sicht auch eine Möglichkeit bieten, sich mit Künstlern, Verantwortlichen, Helfern und Betroffenen aktiv auseinandersetzen zu können. Dazu hat das Filmarchiv Austria gemeinsam mit seinen Kooperationspartnern Filmgespräche, Diskussionsrunden und ein Benefizkonzert in sein Rahmenprogramm integriert.
(Text: David Rams)

www.filmarchiv.at