Henry Fonda for President

Filmmuseum, Wien, 30. August bis 11. Oktober 2017

Identifikationsfigur, Sexsymbol, Cowboy, Angry Man, Vorbild: Henry Fonda, einer der größten Hollywoodstars aller Zeiten. Das Wiener Filmmuseum widmet ihm jetzt einen umfassenden Tribut.

Er war der amerikanische Traum auf der Leinwand: Kaum ein anderer männlicher Schauspieler prägte über ein halbes Jahrhundert hinweg die Glanzzeit des Hollywood-Kinos so wie Henry Fonda, der Vater von Jane und Peter Fonda und der Großvater von Bridget Fonda. Er war kein strahlend schöner Held, aber dennoch in vieler Beziehung „larger than life“ – wie er sprach, wie er sich bewegte, wie er auf der Leinwand wirkte, war unvergleichlich und von einem einzigartigen Charisma geprägt. Dazu kam, dass er auch privat mit seiner Meinung keineswegs hinterm Berg hielt.

Henry Fonda wurde 1905 in Nebraska geboren, wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Nach der High-School studierte er Publizistik auf der Uni von Minnesota – ohne jedoch den Abschluss zu machen. In den 20er Jahren fing Fonda am Laientheater in Omaha an, wo er oft mit einer gewissen Dorothy Brando die Bühne teilte – genau: Marlon Brandos Mutter. Schließlich ging er nach New York, wo er am Broadway erste Erfolge feierte und sich mit seinem guten Freund James Stewart ein kleines Apartment teilte – bis schließlich Hollywood nach ihm rief.

Dort wohnte Fonda wieder mit Stewart zusammen – und übrigens auch gleich neben Greta Garbo. Mit Filmen wie The Moon’s Our Home (mit seiner Ex-Frau Margaret Sullavan), Fritz Langs Noir-Klassiker You Only Live Once oder dem Drama Jezebel (mit Bette Davis) ging es karrieretechnisch rasch aufwärts; 1939 folgte schließlich die erste von vielen Zusammenarbeiten mit John Ford, Young Mr. Lincoln. 1940 drehten die beiden The Grapes of Wrath, Fondas Performance darin womöglich seine beste.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, aus dem Fonda mit einem Bronzenen Stern dekoriert zurückkehrte, entstanden einige seiner interessantesten Filme – wie etwa das Drama Daisy Kenyon oder John Fords Western Fort Apache (mit John Wayne). 1957 schließlich folgte Fondas Debüt als Produzent: Die Low-Budget-Produktion 12 Angry Men (Regie: Sidney Lumet) wurde zum Klassiker. Ebenso wie Franklin J. Schaffners Drama The Best Man, in dem Fonda einen US-Präsidentschaftskandidaten gibt, oder sein Ausflug ins Schurkenfach in Sergio Leones großartigem C'era una volta il West / Once Upon a Time in the West aus 1968.

Bis knapp vor seinem Herztod 1982 war Fonda aktiv – nur wenige Hollywood-Stars seines Kalibers haben ein derart umfangreiches und vielseitiges Werk hinterlassen. Im Österreichischen Filmmuseum gezeigt werden ausgewählte Filme und TV-Produktionen aus fünf Jahrzehnten. (Text: Gini Brenner & Kurt Zechner)

filmmuseum.at