Kinoresonanzen - 100 Jahre Republik

Filmarchiv, Wien, 15. November bis 6. Dezember 2018

Bewegte Bilder, bewegende Momente. Im November 2018 feiert die Republik Österreich ihren ersten Dreistelligen – und das Filmarchiv mit ihr: Die Retrospektive führt vor, wie im vergangenen Jahrhundert die jeweilige Austro-Gegenwart in das Medium Film übersetzt wurde.

filmarchiv.at

Das Kino begleitet die Republik Österreich gewissermaßen seit ihrer Geburtsstunde im November 1918 – ursprünglich als noch ganz frisches, gleichsam noch in den Kinderschuhen steckendes, später dann als mutmaßlich maßgeblichstes Medium des 20. Jahrhunderts. Auch hierzulande lernten die Bilder oftmals im Einklang mit den Ereignissen und Entwicklungen politischer und gesellschaftlicher Natur laufen, wuchsen bisweilen mit ihnen mit, verselbständigten sich gar, nahmen Eigenleben an. Die (Stimmungs-) Lage der Nation: Sie fand also stets auch auf der Leinwand ihren Niederschlag. Das Filmarchiv Austria trägt diesem Paarlauf nun mit der Retrospektive „Kinoresonanzen – 100 Jahre Republik” Rechnung, die Beispiele dafür versammelt, wie diese Übersetzung ins Medium Film im letzten Jahrhundert stattgefunden hat: Paul Fejos‘ Sonnenstrahl (1933), dieser in den konfliktbeladenen dreißiger Jahren angesiedelte Meilenstein des sozialutopischen Kinos, besticht dahingehend etwa als herzerwärmende Ode an die Solidarität, Wolfgang Liebeneiners 1. April 2000 (1952) bildet indes in märchenhafter Manier und schrullig-satirisch zugespitzt die Verdrängungsmechanismen des unmittelbaren Nachkriegs-Österreich ab. Ungeschönter wurde der austriakische Alltag schließlich in Kassbach – Ein Porträt (1979) vom Kottan-Dream-Team Peter Patzak (Regie) und Helmut Zenker (Buch) präsentiert, das die Rechtsradikalisierung eines Wiener Gemüsehändlers zum Thema hat. Mit dem neuen Jahrtausend verlagerte sich das auf die Leinwände des Landes projizierte Österreich-Bild dann zusehends von Spiel- auf Dokumentarfilme. Mit Zur Lage (2002) von Barbara Albert, Michael Glawogger, Ulrich Seidl und Michael Sturminger sowie Ausländer Raus! Schlingensiefs Container (2002) von Paul Poet fanden dahingehend einige zur Hochzeit der ersten Ära Schwarz-Blau entstandene Werke Aufnahme in den Reigen der Retro. Konsequenterweise spannt diese den Bogen denn bis zur aktuellen Arbeit Waldheims Walzer (2018) – auf deren internationale Resonanz man dann wiederum zu Beginn des kommenden Jahres gespannt sein darf, wenn Ruth Beckermanns aufrüttelnde Dokumentation für Österreich ins Rennen um den Auslandsoscar gehen wird.

Text: Christoph Prenner