Mario Monicelli

Filmmuseum, Wien, 9. Februar bis 1. März 2018

Der Meister der italienischen Komödie wäre im Jahr 2015 100 Jahre alt geworden. Die Filmfestspiele von Venedig zeigten zu diesem Anlass die restaurierte Fassung von Vogliamo i colonnelli – jetzt, zweieinhalb Jahre später, widmet das Wiener Filmmuseum dem Regisseur eine umfassende Retrospektive. 

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Der italienische Film hat viele Gesichter. Am bekanntesten dürften die trockenen Landschaften aus Sergio Leones Italowestern sein oder aber die neorealistischen Filme von Federico Fellini. Auch die Skandalwerke des Provokateurs Pier Paolo Pasolini sind natürlich im Gedächtnis geblieben. Wer es hingegen lieber humorvoll mag, dem sei die Filmografie von Mario Monicelli ans Herz gelegt. Der 1915 in Rom geborene Regisseur und Drehbuchautor begleitete die unterschiedlichen Phasen der italienischen Politik und Gesellschaftsstrukturen über ein halbes Jahrhundert hinweg filmisch. In seinen Arbeiten kommentierte er die Ereignisse auf humoristische Art und Weise, wobei ihn sein frühes Studium der Geschichte und Philosophie immer wieder beeinflusste. Nachdem er zunächst noch als Filmkritiker tätig gewesen war, begann Monicelli bald damit, eigene Kurzfilme zu drehen, arbeitete als Regieassistent und setzte schließlich 1949 seinen ersten eigenen Spielfilm um. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehören La grande guerra (Man nannte es den großen Krieg), I soliti ignoti (Diebe haben’s schwer; der Durchbruchsfilm von Claudia Cardinale) und I compagni (Die Peitsche im Genick). Während er in seiner Anfangszeit vor allem noch die Nachkriegsprobleme Italiens thematisiert hatte, beschäftigen ihn später die Neurosen der Mittelschicht, der Widerstand gegen das Kapital sowie die rechtsextremen Strömungen seines Landes. In seinem Spätwerk dominierte eine skeptische Heiterkeit und die Melancholie eines alternden Regisseurs, der sein Leben offenbar als vergeudet ansah.

Monicellis Filme, die in ihrer Humorfärbung die unterschiedlichsten Wandlungen durchlebt haben, wurden international gepriesen und mit Preisen überhäuft. Neben mehreren Oscarnominierungen in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film heimste der Ausnahmekünstler im Laufe seiner Karriere drei Silberne Bären der Berlinale, den Goldenen Löwen von Venedig sowie mehrere andere renommierte Auszeichnungen ein. Obwohl seine Arbeiten weltweit Anklang fanden, profitierte freilich vor allem das italienische Publikum von den zahlreichen sprachlichen Witzen, die in den Übersetzungen teilweise verloren gingen. Sein eigenes Leben fand der Regisseur am Ende allerdings gar nicht mehr lustig. Im Alter von 95 Jahren stürzte er sich, krebskrank, aus dem Fenster eines römischen Krankenhauses und starb. Sein Erbe, ein breit gefächertes, satirisches Bild der italienischen Nachkriegsgesellschaft, bleibt – und kann in diesen Tagen im Wiener Filmmuseum bestaunt werden.

 

Text: Christoph Waldboth