Münchner Freiheit – Eine Stadt und das Kino

Filmarchiv, Wien, 1. März bis 4. April 2019

Eine spannende Reise in die Film- und Stadtgeschichte Münchens bietet noch bis zum 4. April eine Retro im Metro Kinokulturhaus, die sich von der Stummfilmzeit über die Jahre des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg hin zu heutigen Liebeserklärungen an die Metropole an der Isar streckt.

Die bayerische Landeshauptstadt blickt auf eine 100-jährige, ebenso turbulente wie auch vielschichtige Filmgeschichte zurück, die nun vom Filmarchiv Austria mit insgesamt 20 Vorstellungen im Metro Kinokulturhaus zusammengefasst und gewürdigt wird. Nachkriegszeitdokumente stehen dabei ebenso auf dem Programm wie Klassiker und Kultfilme.

Die Schau bietet unter anderem die rare Gelegenheit, mit dem Drama Nerven des Exil-Österreichers Robert Reinert einmal jenen Stummfilm im Kino zu sehen, der bei seiner Premiere 1919 gerüchteweise einige Menschen in den Wahnsinn getrieben hat. Den Jahren zwischen NS- und Nachkriegszeit widmet sich Harald Brauns Heimkehrer-Film Zwischen gestern und morgen, der 1947 einer der ersten in der US-Besatzungszone mit amerikanischer Lizenz hergestellten Spielfilme war.

Ende der 1960er Jahre erlangte vor allem Schwabing als Dreh- und Angelpunkt junger Filmemacher und -innen großen Bedeutung und Bekanntheit. Durch die „Münchner Gruppe“ rund um May Spils, Rudolf Thome, Klaus Lemke, Marran Gosov und Martin Müller wurden die Produktionen anspruchsvoll, experimentierfreudig, verspielt – und erreichten zugleich ein breites Publikum.

In Werken wie Zur Sache, Schätzchen mit Uschi Glas in der Hauptrolle wurden kleine Utopien und Alltagsskizzen reflektiert, die die sozialen Umbrüche jener Zeit beleuchteten: das Leben in Kommunen, alternative Beziehungsformen, sexuelle Revolution und die Emanzipation der Frau.

Die wilden 60er stießen aber – gerade im CSU-Land Bayern – natürlich auch auf Gegenwind. Das zeigen u. a. Momentaufnahmen wie Herbst der Gammler von Peter Fleischmann, in dem „brave Menschen“ auf die wilden „Bürgerschrecks“ trafen. Die andere Seite der im Pressetext beschworenen Stadt der Gegensätze wurde später, anno 1997, besonders pointiert in Helmut Dietls grenzgenialer Society-Satire Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief eingefangen.

Besonderes Highlight der Retrospektive ist vor allem auch die Anwesenheit einiger bekannter Regisseure bei den Vorstellungen. Unter ihnen beispielsweise Klaus Lemke bei Ein komischer Heiliger aus dem Jahr 1979. Weiters vor Ort mit dabei sind der große Dominik Graf (Polizeiruf 110; München: Geheimnisse einer Stadt) sowie Ulrich Mannes und Martin Müller.

Text: Svetlana Hartig

Spieltermine

Samstag, 23. März 2019

Metro Kinokulturhaus

18.00 Uhr

Karl Valentin

Kurzfilmprogramm

Kurzfilmprogramm

Special.

Sonntag, 24. März 2019

San Domingo

San Domingo

Drama. BRD 1970.

Metro Kinokulturhaus

20.30 Uhr

Restaurierte Fassung

Jet Generation

Jet Generation

Liebesfilm. BRD 1968.

Montag, 25. März 2019

I know the way to the Hofbrauhaus

I know the way to the Hofbrauhaus

Komödie. Deutschland 1991.

Freitag, 29. März 2019

Sex-Business - Made in Pasing

Sex-Business - Made in Pasing

Biografie. BRD 1970.

Samstag, 30. März 2019

Zwischen gestern und morgen

Zwischen gestern und morgen

Deutschland 1947.

Bad Girl Avenue

Bad Girl Avenue

Drama, Komödie. Deutschland 2018.

Sonntag, 31. März 2019

Eine Frau von heute

Eine Frau von heute

Drama. BRD 1954.

Rote Sonne

Rote Sonne

Krimi. BRD 1970.

Zuckerbaby

Zuckerbaby

Komödie. BRD 1985.

Montag, 1. April 2019

Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief

Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief

Satire. Deutschland 1997.

Dienstag, 2. April 2019

Die Spalte

Die Spalte

Drama. BRD 1971.

Donnerstag, 4. April 2019

I know the way to the Hofbrauhaus

I know the way to the Hofbrauhaus

Komödie. Deutschland 1991.