Partly Preminger | Filme von Otto Preminger und anderen

Filmmuseum, Wien, 12. Februar bis 3. März 2016

Von Österreich-Ungarn nach Hollywood: Kult-Regisseur Otto Preminger drehte einige der berüchtigtsten Films noirs der Geschichte und brach trotz faktisch herrschender Zensur in den USA zahlreiche Tabus. Eine Hymne an einen Großen.

So sahen damals noch Lebensläufe aus: Geboren wurde der kleine Otto Preminger in der Ukraine, aufgewachsen ist er in Graz und Wien, wo der theaternarrische Teenager später bei Max Reinhardt studierte, obwohl ihn der Vater zum Jusstudium zwang. Bald feierte er als Jungregisseur erste Erfolge, wurde Direktor am Theater in der Josefstadt. Bereits 1935 holte ihn der legendäre Twentieth-Century-Fox-Chef Darryl F. Zanuck persönlich nach Hollywood, wo sich Preminger nach einem anfänglichen Karrieretief aufgrund von Differenzen mit Zanuck zum gefürchtet strengen Erfolgsregisseur mauserte. Sein Welterfolg begann mit dem Film noir Laura, in dem sich diverse Männer verschiedenen Alters rund um die unwiderstehlich schöne Gene Tierney, als Femme fatale dramatische Heldin zahlreicher Preminger-Filme, bekriegen – mit tödlichen Folgen. Der klug inszenierte, unheimliche Thrill um Leute, die aus dem niedrigsten und doch menschlichsten Beweggrund, der Gier nach Liebe, Geld und Anerkennung, Verrat und Verbrechen begehen, wurde zu Premingers Fachgebiet. Davon zeugen Filme wie Fallen Angel oder Angel Face mit den Filmlegenden Jean Simmons und Robert Mitchum. Preminger ist stets Realist: Bei ihm reicht die Liebe allein selten zum großen Glück. Die Polizei ist korrupt (Where the Sidewalk Ends), ein Kind verschwindet auf unerklärliche Weise und keiner glaubt der Mutter (Bunny Lake is Missing). Perfekt inszenierte Ausweglosigkeit in Schwarzweiß. Ein Karriere-Bruch ist denn auch die hinreißende Marilyn Monroe mit Robert Mitchum in River of No Return am Floß im Wildwasser in Technicolor und Beinahe-so-etwas-wie-Glück.

Zensur in Hollywood war für den trickreichen Regisseur mehr eine Herausforderung denn eine Einschränkung. Mit höchstem Geschick brach er die größten erzählerischen Tabus der Zeit – so ist das Gerichtsdrama Anatomy of a Murder wohl einer der ersten Mainstream-Filme, der sich mit dem Thema Vergewaltigung befasst. Premingers stilistischer Einfluss ist bis heute unbestritten. Diesen demonstrieren die 15 „Partnerfilme“ zu Premingers Werken – vom schlichten Remake (The 13th Letter und Le Corbeau) bis zu Filmen, die von Preminger inspiriert wurden, wie À bout de souffle vom bekennenden Fan Jean-Luc Godard, oder die von den selben unvergleichlichen Schauspielerinnen getragen werden (Joan Crawford neben Daisy Kenyon auch in Mildred Pierce). Mr. Preminscher, wie die Amerikaner sagen, wir freuen uns auf ein Wiedersehen.

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