Retrospektive Éric Rohmer

Filmmuseum, Wien, 7. Oktober bis 4. November 2010

Die gemeinsam mit dem Österreichischen Filmmuseum veranstaltete große Retrospektive der VIENNALE 2010 widmet sich einem vieldiskutierten Ausnahme-Genie der französischen Nouvelle Vague: über drei Dutzend Kurz- und Spielfilme von und mit Eric Rohmer.

Infos & Reservierungen

01 / 533 70 54

www.filmmuseum.at

Eric Rohmer polarisiert. Seine Verehrer sind unbekehrbar, seine Kritiker gehässig. Zu Ersteren zählt z. B. Quentin Tarantino. Gene Hackman sagte: "Einen Rohmer-Film anzusehen ist, wie Farbe beim Trocknen zu beobachten“. Seine Wegbegleiter innerhalb der Nouvelle Vague unterscheiden sich in ihrer Arbeit deutlich von Rohmer - was damit begründet wird, dass er sich stets viel treuer an die Ideale der NV gehalten hat als sie. Diese Wegbegleiter sind vor allem Jacques Rivette, Claude Chabrol, François Truffaut und Jean-Luc Godard. Sie hatten sich in den 1950er Jahren in der legendären Cinémathèque Français kennengelernt und zusammen die Gazette du Cinema gegründet. Von 1956 bis 1963 war Rohmer dann Chefredakteur der Cahiers du Cinéma. Der Wechsel von der schreibenden in die Regiezunft geriet allerdings zäh. Rohmers erste Kurzfilme fanden wenig Anklang. Auch sein erster Schwarzweiß-Langfilm Le signe du lion und sein erster Farbfilm La collectionneuse blieben unter den Erwartungen. Aber sein zweiter Schwarzweißfilm Ma nuit chez Maud wurde ein Welthit - vielfach ausgezeichnet und sogar zweifach Oscar-nominiert. Rohmer machte einen Sechs-Teile-Zyklus daraus, in dessen Kern die menschliche Selbstkontrolle steht - die "moralischen Erzählungen“. Zu seinem darauffolgenden Film-Zyklus, Comedies et Proverbs, gehört sein zweites großes Meisterwerk Pauline à la plage (1983). Als Pionier solcher Film-Zyklen war er bis in die frühen 90er Jahre aktiv. Seit Mitte der 70er drehte er aber auch alleinstehende Filme, wie z. B. die Kleist-Verfilmung Die Marquise von O. Seine letzte Arbeit, L’angalis et le duc, wurde 2001 veröffentlicht. Rohmers Filme versprühen einen schwer in Worte zu fassenden Zauber. Bei dieser Retro kann man das Werk des renitenten Umweltschützers und Publicity-Verweigerers bis auf den letzten Tropfen in sich aufsaugen und mit lang anhaltendem Genuss trocknen lassen.

Text: Klaus Hübner