The Unquiet American

Filmmuseum, Wien, 7. Oktober bis 5. November 2009

Exzess, Anarchie und unbändiges Gelächter: Die VIENNALE 09 präsentiert im Wiener Filmmuseum komödiantische Grenzüberschreitungen aus fast 100 Jahren US-Film - wild, renitent und herrlich komisch.

Infos & Reservierungen

01 / 533 70 54

www.filmmuseum.at

Transgressive Comedies from the U.S.

Das Wort "Narrenfreiheit" kommt nicht von ungefähr - der Witz durfte immer mehr als das Drama. Natürlich auch in Hollywood: Nicht nur, aber besonders während des unseligen Production Codes, jener moralischer "Richtlinien", die 1934 bis 1967 mit großräumigem Verbot von Sex, Gewalt und guter Laune den Film zur spaßfreien Zone machen zu drohten, bot das Genre zahlreiche Möglichkeiten zur subversiven Gesellschaftskritik.
Kurator Jonathan Rosenbaum, renommierter Film-Autor, beweist das diesem Best-of-Programm, das im Rahmen der heurigen VIENNALE im Österreichischen Filmmuseum gezeigt wird: Da darf Freak-Ikone John Waters in Female Trouble (1974) oder Hairspray (1988) sexuelle Dilemmas neu verhandeln, und während sich heutzutage allenfalls Klischeebilder durch Komödien trotteln, versucht Hal Roach bereits 1940 in Turnabout die Umkehrung von Geschlechterrollen. Auch George Cukor zeigt in Adams Rib (1949) im Zuge eines haarsträubenden Rosenkriegs eine lustvolle Demontage der Männerrolle, ein perfekter Showcase für das Dreamteam Spencer Tracy und Katharine Hepburn. Billy Wilders grandioses Statement über eheliche Treue heißt dann auch gleich Kiss me, Stupid! (1964).
Die jungen Wilden kommen ebenfalls zum Zug, von Spike Jonzes Verwirrspiel Adaptation (2002, mit Nicolas Cage in einer Doppelrolle!) bis Wes Andersons Paradewerk Rushmore (1998). Mit der Polit-Satire Bulworth (1998) beweist Warren Beatty seine Qualitäten als Schauspieler, Regisseur und politisch denkender Mensch. In Down With Love (2003) geben Renée Zellweger und Ewan McGregor erfolgreich die Neuauflage von Doris Day und Rock Hudson: sexuelle Doppeldeutigkeiten, here we come! Empfehlenswert auch Idiocracy (2006) - Luke Wilson als intelligentester Mensch der Welt (weil unabsichtlich 500 Jahre lang tiefgefroren), das kann was. Immer eine Freude auch Joe Dantes Matinée (1993), für Panik sorgen hier die Atombombe und Ameisenmensch Mant (und der fast schlanke John Goodman).
Die großen Klassiker, not to be missed: Howard Hawks' Komödien Gentlemen Prefer Blondes (1953) und Monkey Business (1952). Buster Keaton wird in Seven Chances (1926) von gleich 500 willigen Bräuten bedroht, während Tony Randall und Jayne Mansfield sich in Will Success Spoil Rock Hunter? (1957) mit den Untiefen der Werbebranche auseinandersetzen.
Der Titel der Retrospektive ist an Graham Greenes Klassiker The Quiet American angelehnt - er bezieht sich auf den Typ des zurückhaltenden Amerikaners, der mit den besten Absichten die schlimmsten Schäden anrichtet. Das zeigt die Komödie immer wieder: Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert - und die dargestellten AmerikanerInnen dementsprechend "unquiet": laut und temperamentvoll. Abgedreht, eben.

Text: Julia Pühringer