Wim Wenders: Weltreisender

Filmarchiv, Wien, 10. Jänner bis 28. Februar 2019

Wim Wenders bezeichnet sich selbst als „Reisender“ – und erst in weiterer Folge als Filmemacher und Fotograf. Auf einem Streifzug durch seine multimediale Werkschau können Besucher des Metro Kinokulturhauses nun Fotos und Filme der nimmermüden Autorenfilm-Legende erkunden.

Die Ausstellung: Frühe Photographien 60er–80er Jahre

Wim Wenders’ Welt in 70 Lichtbildern: Das erste Foto der aktuellen Ausstellung im Metro Kinokulturhaus führt den Betrachter nach Oberhausen, ins Jahr 1963. Auf einem Jahrmarkt macht der damals erst 17 oder 18 Jahre junge Deutsche jenen Schnappschuss, der den chronologischen Ausgangspunkt der Reise durch die Schau markiert: Eine Schwarzweißaufnahme, auf der verschlossene Jahrmarkt-Buden im Regen und vereinzelte Kinder zu sehen sind. Die melancholische Momentaufnahme scheint wie ein frühes, besonders für sein Filmwerk charakteristisches Zeugnis seiner Vorliebe für verlassene Orte und nüchterne Stadtszenerien. Auf zahlreichen Reisen durch die USA, Australien und den Rest der Welt
entstehen bis in die 80er Jahre hinein die weiteren 69 Abbilder der Wirklichkeit Wenders’ – häufig mit der Polaroid-Kamera für die Zukunft konserviert. Private Schnappschüsse, alltägliche Momente: ein visuelles Notizbuch, wie es schließlich auch der Protagonist von Alice in den Städten (1974), einem von Wenders’ ersten Langspielfilmen, führt.

Die Retrospektive: Wim Wenders. Weltreisender.

Neben der Foto-Ausstellung widmet sich der mittlerweile zweite Teil der begleitenden Filmschau zu Wenders‘ Werk den Jahren 1999 bis 2018. Wenders’ Bilder sind Ende des vergangenen Jahrtausends bereits seit 30 Jahren in Bewegung – immer mehr verschreibt sich der etablierte deutsche Regisseur dem Dokumentarfilm. Vor allem seiner Liebe zur Musik zollt der Filmemacher gern regelmäßig Tribut: Die Musik-Doku Buena Vista Social Club bringt 1999 kubanische Rhythmen und das zugehörige Lebensgefühl in die Kinos, mit Viel passiert – Der BAP-Film setzt er dem Kölsch­rock ein Denkmal, es folgt mit The Soul Of A Man für Martin Scorseses The Blues-Reihe eine Hommage an Wenders’ musikalische Helden. Mit dem Tanzfilm Pina über die kurz vor Beginn der Dreharbeiten verstorbene Choreografin Pina Bausch wagt sich der Autorenfilmer schließlich an sein erstes 3D-Großprojekt heran und nützt die Technologie so leinwandwirksam wie kaum jemand vor ihm. Zuletzt schließlich ein Auftrag von ganz oben: Der Vatikan lädt Wenders ein, den Pontifex Maximus persönlich zu porträtieren. Auch der daraus entstandene Interviewfilm Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes wird im Rahmen der Werkschau im Metro Kinokulturhaus präsentiert.

 

Text: Claudia Dlapa

 

Retrospektive bis 28.02. & Ausstellung bis 09.06. im Metro Kinokulturhaus

filmarchiv.at