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Stories
04/03/2020

Das sind die zehn besten Netflix-Serien

Schier unendlich ist das Streaming-Universum und expandiert auch unaufhörlich weiter. Um euch die Schau-Entscheidung ein wenig zu erleichtern, präsentieren wir euch unsere Auswahl der zehn besten Netflix-Originals-Serien aller Zeiten.

Bei seiner Gründung im Sommer 1997 war Netflix noch ein Online-DVD-Verleih mit weniger als 1.000 Filmen im Sortiment. Zum Streaming-Dienst wurde das Unternehmen erst zehn Jahre später; seit 2011 werden eigene Formate produziert.

Am laufenden Band heimsen die Netflix Originals Preise (bis hin zu den Oscars) ein, versammeln die Massen vor den Schirmen oder werden mitunter gar kultartig verehrt. So manche Netflix-Serie hat es auch den SKIP-Redakteuren angetan – wie ihr in unserer Top-10-Galerie nachlesen könnt.

Spuk in Hill House – The Haunting of Hill House

Wer sich von der Serienfassung des klassischen Schauderstoffes bloß gefällige Spukhaus-Scharmützel mit ein paar flotten Scares erwartet hat, hat die Rechnung nicht mit dem versuchsfreudigen Regisseur Mike Flanagan (später: "Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen") gemacht. Mit enormen Schauwerten und echter Schauspielsonderklasse gräbt sich einem diese todtragische Familienaufstellung lieber erst mal richtig tief ins Gemüt; lässt einem zwar dabei auch gekonnt das Blut in den Adern gefrieren – allerdings immer erst nachdem sie einem vorher noch das Herz in tausend Teile zersprengt hat. Weil die allerunbarmherzigsten Gespenster halt immer doch noch diese gottverdammten Erinnerungen sind. An all das, was weg ist und nicht wiederkommt. Was fehlt. Echte Extraklasse – und die beste Horrorserie aus dem Netflix-Eigenbau.

GLOW

Ring frei für die Gorgeous Ladies of Wrestling! Mitten in den bunten 80ern angesiedelt erzählt diese Serie – mit wenig Anspruch für Faktentreue, dafür aber umso mehr Herz – von der Entstehung des ersten weiblichen Showringer-Teams des US-amerikanischen Fernsehens. Die Serie hat aber viel mehr zu bieten als schrille Kostüme und noch schrillere Charaktere. Wenn hier eine Runde arbeitsloser Außenseiterinnen versucht, die richtigen Moves zu erlernen und als Pionierinnen in einer Männerdomäne Fuß zu fassen, ist das nämlich nicht nur unterhaltsam: "GLOW" verwebt all seine Schauwerte gekonnt mit der harten Realität und erzählt von strukturellem Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Identitätsfindung.

Dark

Wenige Serien der vergangenen Jahre präsentierten sich so fesselnd wie diese erste Netflix-Original-Produktion aus dem deutschsprachigen Raum. Zum Nebenbeischauen ist "Dark“ wohlgemerkt nicht gedacht – der komplexen Geschichte, angesiedelt in einer Kleinstadt neben einem Atomkraftwerk (Stephen King hätte seine düstere Freude!) seine ganze Aufmerksamkeit zu schenken, zahlt sich allerdings doppelt und dreifach aus. Schließlich taucht man dann umso tiefer ein in einen der besten (und zugegebermaßen auch forderndsten) Zeitreise-Plots der letzten Jahre. Ein echtes Erlebnis mit enorm hohem Mindfuck-Potential.

Stranger Things

"House of Cards" und "Orange Is the New Black" waren die ersten großen Hits auf Netflix, mit "Stranger Things" drang der Streaming-Dienst aber in völlig neue Sphären vor. Der bunte Mix aus 80s-Nostalgie, Horror, Sci-Fi und Coming-of-Age-Drama wurde zum Instant Classic und gefeierten Publikumsmagneten. Die Serie verkörpert dabei auch wie kaum eine zweite das Kino-Feeling auf dem kleinen Screen. Unerreicht bleibt die Qualität der ersten Staffel: Aus einem streng geheimen Forschungslabor entkommen, freundet sich die telekinetisch begabte, fast kahlgeschorene, waffelsüchtige Eleven mit einer Clique Nerds aus einer Kleinstadt in Indiana an. Gemeinsam machen sie Jagd auf ein blutrünstiges Monster aus einer fremden Dimension, das einen ihrer Freunde verschluckt hat.

BoJack Horseman

Schlechten Menschen geht’s immer gut, und in Hollywoo (das d wurde geklaut) fühlen sie sich besonders wohl. Warum also hadert der einstige TV-Star und kompromisslose Egomane BoJack mit seinem Leben? Vielleicht liegt es an einer niemals enden wollenen Midlifecrisis. Vielleicht an Biografin Diane, die ihn mit den Geistern seiner Vergangenheit konfrontiert. Hochwertige Comedy vermag selbst in ihren skurrilsten Ausprägungsformen mehr Authentizität zu verströmen als realistisches Drama. Das L.A. von "BoJack Horseman" bevölkern wandelnde, als anthropomorphe Tierwesen dargestellte Klischees, die den Flair der Stadt besser einfangen (und durch den Kakao ziehen) als jede andere Serie in den schier unendlichen Weiten des Streaming-Contents. Wahnwitziger Schmäh trifft bissige Gesellschaftskritik, unterlegt mit einem genialen Main Theme und noch genialeren Bonmots. Die Honigmelone ist der Jared Leto unter den Früchten? Danke, BoJack!

Master of None

Von all den im Fahrwasser des Genre-Goldstandards "Louie" entwickelten Halbstunden-Dramedys rund um den Themenkreis Großstadt-Beziehungsleben und -streben ist jene von Aziz Ansari bis heute mit Abstand die erfreulichste. Weil sie sich einfach ehrlicher und erfrischender anfühlt als der Rest, so wie sie charmant, aber halt nicht naiv von den Verheißungen und Fallstricken der "Modern Romance" (der Titel von Ansaris themenbezogenem Sachbuch-Bestseller) im Zeitalter von Social Media erzählt – es dabei aber auch hinkriegt, der um all die Liebeswirren herumschwirrenden, bewusst diversen gesellschaftlichen Realität mit Neugier, Schmäh und Empathie zu begegnen.  

Love, Death & Robots

Vom Joghurt, das die Weltherrschaft übernimmt, und Farmern, die auf Aliens schießen. Zwischen all den strikt durchgeplanten SciFi-Blockbustern à la Marvel ist diese bewusst freidrehende animierte Anthologie-Serie eine wahre Wohltat. David Fincher ("Mindhunter") und Tim Miller ("Deadpool") kuratierten ganz ohne enges Korsett eine Auswahl von Produktionen verschiedener Länge. Diese unterscheiden sich nicht nur in ihren kreativen, durchgeknallten und mitreißenden Stories, sondern auch in den visuell faszinierenden Animationsstilen. So trifft der zusammengewürfelte Charme eines Kurzfilmfestivals auf die Anforderungen der jungen Generation, die nicht immer das große Kinoerlebnis sucht, sondern auch gerne mal ein kurzes Video auf dem Smartphone schaut. Wobei man schon festhalten muss: Diese Werke haben sich definitiv einen großen Schirm verdient!

Mindhunter

Seit dem bahnbrechenden Erfolg von "Das Schweigen der Lämmer" sind Serienmörder in Film und TV fast schon allgegenwärtig. Warum sich mit einem gewöhnlichen Täter aus Leidenschaft oder einem gewieften Killer im "Columbo"-Stil begnügen, wenn ein blutrünstiges Ungeheuer doch viel aufregender ist? Klingt makaber, spiegelt aber auch die ungebrochene Faszination wider, die Serienmörder auf die breite Öffentlichkeit ausüben. Statt auf diesen Zug aufzuspringen spaziert "Mindhunter" mit interessiertem Blick am Gleis entlang. Die Serie handelt von den Ursprüngen des modernen Profiling, als die Einheit für Verhaltensforschung beim FBI praktisch nicht existent und der Begriff "Serienmörder" erst erfunden werden musste. Die Serie kommt ohne Kunstblut und ohne Promi-Cast aus, ist aber unverkennbar das Brainchild von David Fincher ("Zodiac"). Mit düsteren Bildern und bedrückender Stimmung brennen sich die bisher zwei Staffeln dieser Premium-Produktion dauerhaft ins Gedächtnis.

Orange Is the New Black

Bis heute scheitert Hollywood in peinlicher Regelmäßigkeit daran, Frauen und Minderheiten in den Fokus seiner Geschichten zu stellen. Dabei zeigte Netflix schon mit einer seiner allerersten Serien, wie man’s machen muss. Klar, man kann nicht bestreiten, dass die erste Staffel von "Orange is the New Black“ auch ihre Längen hatte – wer die aber durchsteht, wird mit weiteren sechs, meist exzellenten Seasons belohnt, denen es gelingt, mit viel Feingefühl und Realitätsnähe von jenen Menschen zu erzählen, deren Existenzen wir allzu gerne einfach verdrängen, nachdem wir sie weggesperrt haben. Und wer Crazy Eyes, Poussey und Taystee kennengelernt hat, vergisst sie garantiert nicht so bald wieder!

The OA

Nach zwei Staffeln war 2019 leider auch schon wieder Schluss mit dieser Serienschöpfung der SciFi-Querdenker-Queen Brit Marling – nach zwei Staffeln wohlgemerkt, die die Abonnentenschaft entzweit haben dürften wie kaum eine andere Eigenproduktion von Netflix. Denn dort, wo sonst oft das kühle Kalkül auf Algorithmusbasis regiert, ist das bis über beide Ohren ambitionierte und in unseren Augen eben wahrlich großartige "The OA" eine Show wie keine andere: eine loose cannon, stets bereit, sonder Zahl phantastische Einfälle und genuine WTF-Momente abzufeuern. Freilich: Erklärungen bekam man bis zum ausgezeichnet irrwitzigen Ende von Season zwei kaum welche. Aber die hat man ja auch schon bei der einzig legitimen Vergleichsserie "Twin Peaks" nicht gebraucht ... Ein Drittstaffel-Comeback in deren Tradition dafür jedoch umso mehr!