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Stories
04/30/2020

Der SKIP-Schaubarometer: Stiller Klassenkampf im TV

Schau an? Schau weg? In Zeiten der Corona-bedingten Kinosperren geben wir euch einen Überblick der aktuellen Highlights und No-gos im deutschsprachigen Fernsehprogramm.

Der Mai ist da! Weil aber heuer ja nicht nur goldene Maikäfer herumschwirren, sondern auch ein fieser Virus, beginnt der viel stiller als sonst. Aber natürlich nur, wenn wir den Fernseher nicht lauter drehen – und überhaupt lässt sich (Klassen-)Kämpferisches ja auch im Fernsehprogramm finden. SKIP-Redakteur Nicholas Wemer verrät euch, wo.

 

Eindeutige Einschaltempfehlungen

"The Shape of Water" (ORF 1, Freitag ab 20:15)

Am Sonntag kredenzt uns ORF 1 eine wahre Kostbarkeit: Guillermo del Toros wunderschönes und zurecht mit Oscars überschüttetes Unterwassermärchen "The Shape of Water“ feiert seine Free-TV-Premiere. Eine stumme Reinigungskraft leistet darin Widerstand gegen unterdrückende Hierarchien und die Ausbeutung eines Schutzlosen – der ORF hätte diesen Film eigentlich gleich zum 1. Mai zeigen können. Stattdessen läuft am besagten Freitag "The Legend of Tarzan". Der passt aber thematisch eh auch ganz gut, es geht ja um die Auflehnung gegen böse Kolonialisten. Trotz hochkarätiger Stars wie Samuel L. Jackson, Margot Robbie und Christoph Waltz bleibt vom Abenteuerfilm außer Alexander Skarsgårds überirdischem 10-Pack (!) leider nicht viel in Erinnerung. Aber immerhin gibt’s coole Lianen-Schwing-Szenen!

"The Shining" (Pro Sieben, in der Nacht auf Samstag um 00:25)

Wann habt ihr zuletzt dem Overlook-Hotel einen Besuch abgestattet? Vielleicht mit Ewan McGregor im leider doch eher durchwachsenen "Doctor Sleeps Erwachen" (ausleihbar) oder im Zuge des popkulturellen Abstechers an Jack Torrence' Wirkstätte in "Ready Player One" (zu sehen bei Netflix)? Die echte Redrum-Experience gibt’s halt doch nur in Stanley Kubricks Geniestreich "The Shining". Höchste Zeit also, sich den vielleicht besten Horrorfilm aller Zeiten mal wieder zu Gemüte zu führen, wenn Pro Sieben ihn schon spielt. Zumal sich auf Anfrage beim Sender in Erfahrung bringen ließ, dass man doch tatsächlich auf Werbeunterbrechungen während des Films verzichtet. Oder zumindest fast, ein paar kurze Trailer soll's zwischendurch geben. Aber damit kann man ja leben, wenigstens ruinieren uns keine Spots für verdauungsfördernde Joghurts und wiedereröffnete Baumärkte Jack Nicholsons herausragenden Verfall zum Wahnsinn. 

Vielleicht ja doch (noch) mal einen Blick riskieren

Feiertagsfilme ...

Aufmärsche, Feiern und Kungebungen sind ja immer noch mit Ansteckungsgefahr verbunden, womit das traditionelle Programm zum 1. Mai ganz unabhängig von möglichen Wettekapriolen heuer ins Wasser fällt. Wieso also nicht den Tag vor dem Fernsehkastl verbringen? Genug zu sehen gibt's jedenfalls: Mit der liebevollen Kinderbuchverfilmung "Paddington" (ORF1, 13:15), dem bis dato immer noch besten "Spider-Man" (ATV, 15:25), dem Jim-Carrey-Klassiker "Bruce Allmächtig" (Puls 4, 16:15) und der amüsanten Liebesposse "Crazy Stupid Love" (ATV, 20;15) bringt man die Zeit jedenfalls gut rum. Es muss ja nicht immer gleich das ganz große Meisterwerk sein.

… und Wochenendfilme

Sehenswerte Filme sind auch an den Tagen darauf keine Mangelware. Am Samstagabend läuft auf ZDF neo etwa "The Big Lebwoski" (20:15). Der Dude verbringt sein Dasein im Bademantel, das haben wir in den letzten Wochen ja nun auch zu tun gelernt.  Vielleicht kann man sich noch etwas von ihm abschauen? Oder man wendet sich dafür an "Interstellar" (Servus TV, 20:15) – immerhin isoliert sich Matthew McConaghey darin so effektiv vom Rest der Menschheit, dass er sogar langsamer altert als die Leute auf der Erde. 70 Jahre vergehen lassen ist vielleicht eine Möglichkeit, um dem Virus zu entwischen? Am Sonntag wiederum locken neben dem eingangs erwähnten "The Shape of Water" etwa "Der Soldat James Ryan" (Puls 4, 20:15) und "Lucy" (ORF 1, 22:15).

Besser gar nicht erst reinschauen

"Schlag den Star" (Pro Sieben, Samstag ab 20:15)

Ob man nun zu seinen Fans gehört oder nicht: Der Abgang von Stefan Raab hinterließ bei seinem Stammsender definitiv eine große Lücke. Die wurde dann mit verschiedenen Verrücktheiten von Joko und Klaas gefüllt, das Herzstück des Raab'schen Eventfernsehens, "Schlag den Raab", wollte man aber doch nicht so einfach aufgeben. Also lässt man seit damals ersatzweise einfach je zwei Stars gegeneinander antreten. Blöd nur, dass dabei der ursprüngliche Reiz der Sendung – durchtrainierter Normalbürger tritt gegen berühmten Allround-Entertainer mit Wampe an – fehlt. Noch blöder, dass man die angebliche Prominenz oft überhaupt nicht kennt. Diesmal spielt Jorge Gonzales gegen Thomas Hayo, das dürfte wohl gute vier Stunden Fadesse deluxe versprechen. Naja, immerhin hat einer der beiden einen schönen Namen!