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General Leia (Carrie Fisher, re.) umarmt Rey (Daisy Ridley)

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Stories
12/20/2019

Dumm und verkauft?

Es ist vorbei – für immer, wie Daisy Ridley selbst betont: Die "Star Wars"-Nonalogie ist abgedreht, der letzte, neunte Teil läuft nun zur Weihnacht 2019 in den Kinos. Der 43-jährige Krieg der Sterne ist also vorüber – zwingende Gelegenheit für einen Fan der ersten Stunde, ein letztes Mal zurückzublicken. Und das tut weh.

Als "Star Wars", später mit "A New Hope" unterbetitelt, erstmals in den Kinos lief, war der Autor dieser Zeilen als 1969 Geborener noch zu klein fürs Kino – es war schließlich erst 1977. Tatsächlich sah er die weit, weit entfernte Galaxie erstmals im Jahr 1980 persönlich, während der morgendlichen Super8-Filmvorführungen eines schrulligen Biologielehrers und Home-Cinema-Fans in seiner damaligen Schule. Es war eine stark gekürzte Fassung, die damals für Super8-Heimprojektoren zu erwerben war. Aber meine Güte, was machte das für einen Eindruck auf uns! Als Kind der Mondlandung war ich von der ersten Sekunde an "hooked" wie Kaiserin Sissi nach ihrem ersten Morphin-Shot.Dann kam 1980 "Das Imperium schlägt zurück", und unsere Begeisterung – ich war damals 11 Jahre alt – überstieg alles Vorstellbare. Ich begann, Science-Fiction-Romane in Schulhefte zu schreiben, die ich bis heute aufbewahre, und wusste von da an, dass ich einmal Science-Fiction-Filmemacher werden würde.

1983 war ich dann mit 14 Jahren eigentlich schon eine Spur zu alt für die Gummipuppen-Parade des in die Jahre gekommenen George Lucas, aber immer noch war ich vollkommen von den Socken. Die Raumschlacht am Ende von "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" raubte mir bei jedem der Kinobesuche immer wieder den Atem. Und Leas Metall-Bikini sowieso.

Star Wars Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers

Droiden unter sich: BB-8 (li.) und "Star Wars"-Neuling D-0.

Star Wars Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers

Die Resistance wappnet sich für den Kampf gegen die First Order.

Star Wars Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers

Kylos Helm wird repariert.

Star Wars Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers

General Leia (Carrie Fisher, re.) umarmt Rey (Daisy Ridley)

Star Wars Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers

Rey (Daisy Ridley) legt sich mit einem Gleiter an.

Star Wars Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers

Lando Calrissian (Billy Dee Williams)

Star Wars Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers

Finn (John Boyega, li.) und Dameron Poe (Oscar Isaac)

Star Wars Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers

Kylo Ren (Adam Driver)

Star Wars Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers

Der Millennium Falke

Star Wars Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers

Rey (Daisy Ridley)

Bis heute haben die ersten drei Star Wars-Filme, die ja den Mittelteil der Nonalogie ausmachen, für mich einen unwiderstehlichen Charme behalten. Die spätere Auffettung der Special Effects auf digitales Niveau hat ihnen gut getan. Ich und zahlreiche mir bekannte Gleichgepolte können dadurch bis heute diese drei Filme immer wieder ansehen und dabei in einen unvergleichlichen Feelgood-Eskapismus eintauchen. Es sind eben „lebendige“ Kindheits- und Adoleszenz-Erinnerungen.

Als George Lucas dann die zweite Trilogie mit den drei Prequels herausbrachte, waren das für alle Star-Wars-Liebhaber in meinem Bekanntenkreis – allesamt nun Erwachsene – stets Pflichttermine. Aber die Kritik war groß, auch die Enttäuschung. Ich will nicht ins Detail gehen, vieles davon war berechtigt. Aber eines muss man Lucas lassen: Er hat mit höchster Konsequenz die Drehbücher so verfasst, dass die Fantasie komplett erhalten wurde – die Kontinuität und Stringenz des Star-Wars-Universum wurde zu keiner Zeit gebrochen. Anders gesagt: Die Filme mögen einen sehr, sehr "früh-digitalen" Look haben und die Schauspieler wirken viele endlose Minuten lang uninteressiert, aber im Star-Wars-Universum funktionieren die Filme eigentlich makellos. Und die Verschwörungsgeschichte rund um den Politik-Satan Palpatine ist sehr nah an dem, was in der Wirklichkeit immer wieder passiert, seit es Herrschaftsstrukturen gibt.

Aber dann kam der Verkauf an Disney. Und dann die Übergabe der Verantwortung an JJ Abrams. Prinzipiell verständlich, Abrams ist ein absoluter Könner. Aber, wie sich schon im ersten Teil der abschließenden Trilogie zeigte, offensichtlich kein echter Star-Wars-Fan. Und so kam es zum Bruch mit der Fantasie, mit der Stringenz, mit der Kontinuität. Plötzlich fand man sich in einer Galaxie wieder, die jegliche Gigantomanie der Anfangstage ins absolute Absurdum übertrieb. Die einen am Ende mit dem Gefühl aus dem Kinosaal entließ, dass in Star Wars eigentlich alles passieren kann, weil es eh wurscht ist. Man musste ab sofort mit so gut wie jedem Nonsens rechnen, solange die Hollywood-Blockbuster-Reißbrett-Abfolge von Action-Tränendrüsendruck-Action-Lacheinlage-Action-Tränendrüsendruck-Action-Lacheinlage-Action und so fort genau nach Lehrplan eingehalten wurde. Kurz und anders ausgedrückt: JJ Abrams verkaufte echte Star Wars-Fans für dumm, und dank Disney gerieten sowohl "Das Erwachen der Macht" als auch "Die letzten Jedi" zu reinen Franchise-Ausschlachtungen für fantasielose Kinder und deren nicht besonders interessierte Eltern. Es sind Filme, die aufgrund ihrer rein handwerklichen Blockbuster-Perfektion beim erstmaligen Ansehen auch die meisten Star-Wars-Fans zumindest halbwegs an der Stange halten können. Aber ein zweites Mal ansehen hält man fast nicht aus. Und die Logik-Brüche sind sogar dem eingefleischten und somit eh schon enorm toleranten Sternenkrieger zu brutal und unpassend, als dass man die Filme auch nur im Mindestmaß ernst nehmen könnte. Admiral Leia hängt mal kurz im freien Weltall ab und friert ein wenig ein, statt zu platzen, um dann kurzentschlossen zurück ins zerbombte Raumschiff zu fliegen, wo die Krankenstation wartet. Es geht nicht dümmer.

Und nun also: Der Aufstieg Skywalkers. Das ist das endgültige Ende von "Star Wars", wirklich. Da geht es Tschinn-Bumm im Stakkatotakt, Laserschießereien, Raumschlachten und Explosionen in ausschließlich technischer Brillanz wechseln sich in exakt ge"time"ter Abfolge mit rein manipulativen "emotionalen" Momenten und dazwischen Haha Hihi schlecht gelacht … und eigentlich ist das Ganze zum Weinen. Zumindest für echte "Star Wars"-Fans. Da reißt Kylo Ren der lieben Rey eine Ethno-Kette vom Hals, obwohl sich die beiden auf unterschiedlichen Planeten befinden – Quantenverschränkung oder was? Jaja, bitte hört mir auf. Das Heilen von Wunden ist auch so ein neuer Jedi-Trick. Dann findet man ein altes Raumschiff in der Wüste, und im Inneren hängen dicke, fette Spinnweben. Sind die Viecher über die Triebwerke hineingekrochen? Ach so, das Raumschiff ist gar nicht luftdicht? Spätestens beim Auftritt der Tiere, auf denen später auch auf der Außenfläche von Sternenzerstörern geritten wird, kann man nur mehr die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Mister Ed meets Black Beauty in space, was für ein Jammer. Als dann Rey eine Stichwaffe hochhält und deren Außenkante ihr verrät, wo in einem alten Wrack ein essentieller Kleinod versteckt ist, muss auch der letzte Narr erkennen: Hier ist alles egal, hier spielen Verstand und Logik überhaupt keine Rolle, Nachdenken ist unangebracht. Das ist ein Film, der ausschließlich den Zweck eines Prater-Vergüngungs-Ride hat: Während man drinsitzt, kann man nur mit weit aufgerissenen Augen und offenstehendem Mund starren, wie die Äktschn an einem vorüberrast, und danach ist einem schlecht, man fühlt sich verdroschen und ausgelaugt. Was gar nicht unbedingt negativ sein muss. Also zahlt sich die Kinokarte für Der Aufstieg Skywalkers schon irgendwie aus.

Weitaus besser bedient sind Star Wars-Fans aller Zeiten übrigens mit der TV-Serie The Mandalorian. Das ist echtes Star Wars und äußerst bemüht darum, niemanden für dumm zu verkaufen. Aber es ist auf jeden Fall nicht die Serie, die sich viele Star Wars-Fans der ersten Stunden wünschen würden: nämlich eine, die – ähnlich wie The Expanse, Altered Carbon, Nightflyers oder auch Battlestar Galactica – sich an erwachsenes Publikum richtet und eine gewisse Profundität an den Tag legt. Aber das kann ja noch werden, oder, Frau Arielle?

Auch das beliebteste Weltraum-Märchen der Kinogeschichte muss einmal zu einem Schluss kommen: 42 Jahre nach dem Auftakt der Star Wars-Saga geht der Krieg der Sterne mit einer von J.J. Abrams (Star Wars VII) wagemutig inszenierten Episode IX in ihr gigantisch-galaktisches Finale.