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Stories | Interviews
11/07/2019

All und Erde: Gabriel Byrne & Elizabeth McGovern zu "Krieg der Welten"

In der neuen SciFi-Serie "Krieg der Welten" bekommen es Gabriel Byrne (Hereditary) und Elizabeth McGovern (Downton Abbey) mit einer übermächtigen Bedrohung aus dem All zu tun. Dass es in Wahrheit allerdings ganz irdische Herausforderungen sind, denen wir uns dieser Tage als Weltgemeinschaft stellen sollten, haben uns die beiden bei der Weltpremiere in Paris nahegelegt.

SKIP: H. G. Wells’ Roman von 1898 ist ja schon so einige Male für Kino und TV verarbeitet worden. Weshalb handelt es sich dabei, Ihrer Meinung nach, um einen derart zeitlosen Stoff?

Elizabeth McGovern: Ich denke, es steckt eine immergrüne Grundidee in der Geschichte. Gerade jetzt befinden wir uns wieder an einem Punkt, an dem wir zunehmend auseinanderdriften – in den USA bauen sie eine Mauer, GB zieht sich gerade aus der EU zurück. Es scheint, wir bräuchten einen gemeinsamen Feind, der uns aufzeigt, dass wir alle einer Gemeinschaft angehören – den Bewohnern des Planeten – und dass wir uns gegenseitig brauchen, um zu überleben. Diese ganzen Barrieren, die wir zwischen uns aufgebaut haben, schmelzen dahin, wenn wir global bedroht werden. Nur als Einheit werden wir beispielsweise die Klimakrise bewältigen können.

Warum muss uns dieser Umstand ausgerechnet anhand der Krieg der Welten-Geschichte wieder vor Augen geführt werden?

McGovern: Das Publikum kennt einfach den Titel. Mit dem lockt man es an, um ihm die vertraute Geschichte dann aus einer neuen Perspektive zu erzählen. Die Idee einer Bedrohung von außen ist etwas, das uns im Innersten anspricht – das rechtfertigt für mich, dass der Stoff immer wieder neu interpretiert wird. Es gibt genug Shows, die sich nur aus dem Umstand heraus legitimieren, dass irgendetwas ausgestrahlt werden muss. Damit A einen Job hat, weil er das Ganze inszeniert. Und B, weil er dafür vor der Kamera steht. Das ist okay, aber eigentlich produziert man so bloß Füllmaterial. Bei "Krieg der Welten" gibt es aber einen guten Grund, warum der Stoff wieder hervorgeholt wurde. Das liefert mir als Schauspielerin viel Energie.

Glauben Sie, dass Aliens existieren? Fürchten Sie sich beim Gedanken daran?

Gabriel Byrne: Ja, vielleicht gibt es da draußen Aliens, aber das heißt ja nicht zwangsweise, dass sie eine Gefahr für uns darstellen. Das können nette Leute sein. Vielleicht sind sie höher entwickelt, vielleicht nicht. Ich glaube, dass es momentan nicht wirklich wichtig ist, das herauszufinden. Wir haben genug andere Probleme, denen wir uns stellen sollten.

McGovern: Ich habe gelesen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es im Weltall irgendwo anderes Leben gibt, viel größer ist als die, dass es das nicht gibt. Das ergibt Sinn, wenn du darüber nachdenkst, wie riesig der Kosmos ist und wie winzig jener Teil, in dem wir uns bewegen. Aber ich stimme Gabriel zu – es gibt genug Mysteriöses in der uns bekannten Welt, das mich beschäftigt.

Während des gestrigen Premieren-Screenings von Krieg der Welten wurde stolz betont, dass es sich um eine europäische Produktion handelt. Ist das für Sie auch von Bedeutung?

McGovern: Für mich war es auf jeden Fall sehr belebend, mit einem belgischen Regisseur im Rahmen einer britisch-französischen Produktion zu arbeiten. Ich habe nämlich in den vergangenen zehn Jahren fast ausschließlich in einem britischen Umfeld gearbeitet. Aus diesem Kontext, in dem Dinge auf eine ganz bestimmte Art und Weise gehandhabt werden, auszubrechen, war sehr stimulierend! Und es hat wieder einmal aufgezeigt, dass es blendend funktionieren kann und man ungemein viel davon hat, wenn man sich über verschiedene Kulturen hinweg kreativ austauscht.

Byrne: Ich bewerte die europäische Perspektive als sehr wichtig, weil sie derzeit kein dominanter Teil des kulturellen Narrativs der Welt darstellt. Das wird eher durch Hollywood und Netflix und so weiter bestimmt. Es wäre wünschenswert, dass auch die europäische Stimme wieder Gehör findet – sehr wenig authentisch Europäisches dringt derzeit bis nach Amerika. Dabei sehnen sich die Leute nach dieser Perspektive. Europäisches Kino ist momentan nur sehr schwach vertreten, dementsprechend spielt das TV eine wichtige Rolle, weil es Potenzial hat, dieser Entwicklung gegenzusteuern und andere Sprachen und Arten des Storytellings in die USA zu bringen.