© Graham Whitby Boot

Stories | Interviews
11/01/2019

Blütenpracht an der Macht: Emily Beecham zu "Little Joe"

In Jessica Hausners kühlem SciFi-Horrorstreifen hat sie als strebsame Wissenschaftlerin nur Augen für eine rote Blüte – und staubte bei den heurigen Filmfestspielen in Cannes dafür die Silberne Palme ab. Wie sich ihrer Beziehung zu grünen Vertretern des Pflanzenreichs mittlerweile gestaltet, hat US-Britin Emily Beecham ebendort im Talk mit SKIP erzählt.

SKIP: "Little Joe" ist ja perfekt durchgestylt – wie hat sich das auf die konkrete Arbeit am Set ausgewirkt? Wie hat Jessica Hausner als Regisseurin agiert?

Emily Beecham: Es war wirklich etwas ganz Neues für mich, mit ihr zu arbeiten – Jessica ist sehr besonders! Sie hatte immer sehr konkrete Vorstellungen davon, wie eine Szene gespielt werden musste. Den speziellen Style hat sie sehr konsequent verfolgt. Alles war stark durchchoreografiert und musste genauso aussehen, wie sie es sich vorgestellt hatte. Wir haben oft 20 Takes oder mehr pro Szenen gebraucht, bis wir ihre Vorstellung umgesetzt hatten. Jeder Handgriff innerhalb der Einstellung musste zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt passieren – das war schon eine große Herausforderung. Ich bin eher gewohnt, dass nur ein paar wenige Takes nötig sind und man als Darsteller eher intuitiv spielt.

Macht es für Sie einen Unterschied, mit einer Frau zu arbeiten?

Nicht unbedingt. Im Prinzip ist jeder Regisseur unterschiedlich, egal ob männlich oder weiblich. Jessica bewundere ich sehr, sie ist sehr ausbalanciert. Es ist alles komplett durchdacht, was sie macht. Sie hat eine sehr ruhige Art, kann aber auch sehr bestimmt sein. Ihre Arbeit, ihr Style verlangt das aber auch. Sie muss ihre Vorstellungen eben durchsetzen, auch wenn sie ihrem Gegenüber zunächst bizarr vorkommen. Gleichzeitig bringt sie einem aber auch sehr viel Respekt entgegen.

Kannten Sie ihre Arbeit vorher?

Ja, ich hatte "Lourdes" zuvor gesehen und war sehr begeistert von dem Film. Er ist wirklich wunderschön inszeniert und richtig gut gespielt. Auch der subtile, leicht düstere Humor hat mich angesprochen. Jessica ist sehr talentiert, ich wusste, ich kann ihr vertrauen.

Nach "28 Weeks Later" ist "Little Joe" Ihr zweiter „Zombie-Film“, wenn man ihn so klassifizieren möchte. Haben Sie eine Vorliebe für Horrorfilme?

Ich liebe Shining, das ist einer meiner Lieblingsfilme. Besonders liebe ich psychologischen Horror, The Babadook fand ich grandios. Der war ziemlich beängstigend und der Sound war genial – sehr trippig! In meinen Augen ein sehr kunstvoller und innovativer Horrorfilm.

Ein bisschen erinnert "Little Joe" an "Invasion of the Body Snatchers" …

Den kenne ich. Jessica hat ihn sogar oft erwähnt, er sie auch inspiriert. Ein Unterschied zu "Little Joe" ist allerdings … eine Sache, die Jessica besonders wichtig war: Wenn du von "Little Joe" infiziert wirst, kann man danach nicht wirklich einen Unterschied feststellen. Du bleibst exakt derselbe wie zuvor, du hast nur plötzlich andere Prioritäten, "Little Joe", die Pflanze, ist dir plötzlich ungemein wichtig, du sorgst dich um sie, der Rest wird nebensächlich. Du rechtfertigst dein ganzes Tun über das Wohl der Pflanze.

Haben Sie sich für den Film in Sachen Botanik weitergebildet?

Zu meinen eigenen Pflanzen habe ich mittlerweile ein anderes Verhältnis. Ich fühle mich ihnen gegenüber viel verantwortlicher und streng mich mehr an, sie nicht umzubringen. (lacht) Es sind ja Lebewesen! Wenn man darüber nachdenkt, ist es sehr brutal … man ist schuld, wenn eine Pflanze verdurstet oder umgekehrt, man ertränkt sie … das ist wirklich grausam. Es ist aber auch wirklich nicht einfach, sie am Leben zu erhalten. (lacht)