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Stories | Interviews
04/29/2020

Dafoe to-go: Die Schauspiellegende im SKIP-Interview

Dass Willem Dafoe jeden Streifen schon allein durch seine bloße Anwesenheit veredelt, wussten wir längst. Was ihn an der Rolle eines grimmigen Schlittenhundführers im Disney-Drama "Togo" gereizt hat, erklärt der 64-Jährige im SKIP Talk.

Man muss Willem Dafoe wirklich nicht mehr vorstellen – zu nachdrücklich hat er in den letzten vier Jahrzehnten mit Filmen wie "Platoon", "Wild At Heart" oder zuletzt "Der Leuchtturm" seine Spuren hinterlassen. Das heißt aber nicht, dass die lebende Schauspiel-Legende nicht immer noch Lust auf neue Herausforderungen hätte: Für den Disney-Abenteuerfilm "Togo" lernte Dafoe beispielsweise Hundeschlitten fahren – wie er SKIP im coronabedingt telefonisch geführten Interview verriet.

SKIP: Mr. Dafoe, wo erreichen wir Sie in diesen turbulenten Tagen? Und wie geht es Ihnen?

Willem Dafoe: Mir geht es gut, danke. Im bin in Rom und in Sicherheit.

SKIP: Wie schwer fällt es Ihnen, jetzt einfach mal stillzusitzen und nichts zu tun? Üblicherweise drehen Sie im Schnitt ja schon mal vier, fünf Filme im Jahr.

Willem Dafoe: Ach, das geht schon! (lacht) Es stimmt natürlich, dass ich mir gern viele Projekte aufhalse. Wenn man mir etwas Interessantes anbietet, kann ich halt nur schwer widerstehen. Bei all diesen Verlockungen fällt es mir daher oft schwer, eine Pause zu machen. Dementsprechend hatte ich auch schon länger keine mehr. Obwohl diese aktuelle Auszeit auch mit vielen Unsicherheiten und Ängsten einhergeht, kommt sie mir indes nicht ungelegen: Ich kann Zeit mit meiner Frau verbringen, ich lese viel, ich relaxe, ich esse gut (lacht).

SKIP: In ihrem neuesten Film "Togo" dreht sich alles um eine außergewöhnliche Mensch-Hund-Freundschaft. Was hat Sie persönlich an diesem überaus berührenden Stoff, der noch dazu auf einer wahren Geschichte beruht, gereizt?

Willem Dafoe: Die Arbeit an "Togo" war ganz allgemein eine tolle Erfahrung, ein echtes Abenteuer. Sie war aber teilweise auch echt nicht einfach, nicht zuletzt wegen der äußeren Umstände und der Herausforderungen, mit denen man beim Drehen in der Natur konfrontiert wird. Die Story mochte ich sowieso von Anfang an, ich war von ihr sehr berührt.

SKIP: Wie schafft man es eigentlich, sich von einem Welpen nicht die Schau stehlen zu lassen? Können Sie generell gut mit Hunden?

Willem Dafoe: Ich hatte in meinem ganzen Leben tatsächlich noch nie ein Haustier! Prinzipiell mag ich Hunde – mein Verständnis, meine Wertschätzung und meine Liebe für sie sind während des Drehs aber noch mal deutlich gewachsen. Wenn du dir als Schauspieler jedoch Sorgen darüber machst, dass dich Welpen an die Wand spielen könnten, dann bist du im falschen Geschäft! Im Grunde bin ich nämlich sogar froh, wenn mir einer die Schau stiehlt – schließlich muss ich mich ja auch an seine Welt anpassen, damit es funktioniert. Das Arbeiten mit Tieren erfordert eine Menge Geduld: Du musst dich ihnen gleichsam ausliefern, sonst kannst du solche Szenen nicht spielen!

SKIP: Sie mussten mit den Hunden allerdings nicht nur gut auskommen, sondern obendrein auch noch Schlitten fahren. Wie schwer war es, das zu lernen, wie hat Ihnen das getaugt?

Willem Dafoe: Ich habe das durchaus genossen. Klar, ich musste dafür auch ziemlich viel trainieren, das Shooting ging wirklich lange, und es wurden nur sehr wenige Special Effects verwendet – eigentlich nur dann, wenn es für die Tiere zu gefährlich wurde. 95% von dem, was Sie sehen, wurde auch tatsächlich so gedreht, auch die Szenen auf dem zugefrorenen See. Klar, dass man hierfür auch echt gut mit dem Hundeschlitten umgehen können muss. Das mag zwar einfach ausschauen, erfordert aber einiges an Geschick und Übung!

SKIP: Um nochmals auf Ihr Arbeitspensum zurückzukommen: Sie drehen ja Jahr für Jahr nicht nur sehr viele, sondern auch sehr unterschiedliche Filme. Ihre aktuelleren Auftritte in u.a. "Der Leuchtturm", "Aquaman", "Motherless Brooklyn" oder "Togo" lassen sich dabei nicht so ohne weiteres auf einen Nenner bringen. Schätzen Sie die Herausforderung der ständigen Abwechslung?

Willem Dafoe: Ja, ich mag es, wenn ich dazu gezwungen werde, stets aufs Neue bei null zu beginnen. Ich bekomme gewissermaßen keinen Kater, wenn ich mich nicht immer auf alte Fähigkeiten und Gewohnheiten verlassen kann, sondern mich auf komplett neue Konstellationen einstellen muss. Diese dauernde Abwechslung hat für mich etwas Reinigendes. Ich könnte mich auch echt nicht dran erinnern, dass ich jemals zwei ähnliche Filme hintereinander gedreht hätte.

SKIP: Dank Corona können wir uns neue Filme derzeit ja nur auf dem Fernseher anschauen. Auch "Togo" läuft auf der Streaming-Plattform Disney+ an und nicht im Kino – was allerdings auch von vornherein schon so geplant war. Wie sehen Sie generell die Zukunft der Filmauswertung in Anbetracht der bis auf weiteres höchst ungewissen Lage?

Willem Dafoe: Puh, wer kann das schon wirklich voraussehen? Ich habe leider auch keine Kristallkugel! (lacht) "Togo" ist ja wie gesagt von vornherein mit dem Ziel entstanden, Material für Disney+ zu haben. Dennoch wurde der Film so produziert, als wäre er für die große Leinwand. Da gab es keinerlei Zugeständnisse, was ich echt zu schätzen weiß. Freilich hätte ich mir selbst "Togo" auch ganz gern im Kino gegeben, weil es für mich einfach die beste Art und Weise ist, um einen Film zu schauen. Mir ist aber natürlich bewusst, dass dies viele Leute heutzutage auch anders sehen.