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Stories | Interviews
10/07/2019

Der König & sein Kompagnon: Timothée Chalamet & Joel Edgerton zu "The King"

Als blutjunger englischer Herrscher und dessen Haudegen-Begleiter entpuppen sich Timothée Chalamet & Joel Edgerton ebenso als schlagfertiges Gespann wie im gemeinsamen Interview in Venedig.

SKIP: Mr. Chalamet, vor eineinhalb Jahren waren Sie für Ihre Rolle in "Call Me By Your Name" zum allerersten Mal für einen Oscar nominiert – im Alter von grade mal 22. Wie haben Sie die Verleihung und das ganze Drumherum in Erinnerung?

Timothée Chalamet: Ach, das war alles einfach großartig! Ich war ja mit meiner Mutter dort. Es erscheint mir bis zum heutigen Tag alles sehr surreal! Es war natürlich auch toll, dass man in den Tagen vor der Verleihung auch schon immer wieder mit den anderen Nominierten zu tun hatte – am Ende hatte sich dann zu manchen von ihnen echt schon ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut.

Wie sieht es denn mit der angekündigten Fortsetzung von "Call Me By Your Name" aus?

Sie wird passieren, allerdings nicht allzu bald. Aber genauso wie Armie (Hammer, zweiter Hauptdarsteller, Anm.) und Luca (Guadagnino, Regisseur, Anm.) freue ich mich bereits wahnsinnig drauf.

Weil Sie eben Ihr Oscar-Erlebnis als surreal bezeichnet haben: Waren nicht überhaupt die gesamten letzten beiden Jahre sehr surreal für Sie? Dieser enorme Hype um Ihre Person, der ja auch mit all den neuen Rollen in großen Filmen, wie in diesem Fall "The King", einhergeht?

Ich bin in all das über kleine Indie-Filme ja mehr oder weniger reingerutscht. Ich mag es einfach, wenn ich Leute mit meinen Filmen begeistern kann. Das wird hoffentlich auch bei "The King" der Fall sein: Das ist eine Geschichte, die echt einiges hergibt – sowohl in der ursprünglichen Fassung von Shakespeare als auch in jener, die Joel und David (Michôd, Regisseur, Anm.) für den Film geschrieben haben. Die beiden sind solch gute Autoren, dass sich die Sprache im Film wie aus dem Mittelalter anfühlt, aber auch gut verständlich ist.

Mr. Edgerton, Sie verkörpern in "The King" ja nicht nur John Falstaff, den Weggefährten des von Timothée gespielten jungen Königs Henry V., Sie haben auch das Drehbuch mitgeschrieben. Wie schwierig war es denn, den angesprochenen sprachlichen Spagat hinzubekommen?

Joel Edgerton: Zuallererst möchte ich einmal festhalten, dass ich mich bis heute dafür verfluche, dass ich noch vor Drehbeginn einmal in einem Interview behauptet habe, dass wir etwas machen möchten, das Shakespeare mit "Game of Thrones" verbindet! (lacht) The King ist nämlich gar nicht so wirklich Shakespeare – und es definitiv nicht "Game of Thrones"! Wir haben gewisse Elemente von Shakespeare übernommen, einige Charaktere und Plot-Punkte aus Henry IV. und Henry V. – aber das war’s dann auch schon. Es ging uns darum, den Aufstieg dieses jungen Königs in einer Sprache einzufangen, die dieser Epoche gerecht wird, die darüber hinaus aber auch einen Rhythmus und Tonfall besitzt, der an das Heute anknüpft.

Apropos Anknüpfen an das Heute: Wie würden Sie den Kern dieser Geschichte beschreiben – vor allem auch im Kontext des Hier und Jetzt?

Joel Edgerton: Es ist einfach eine jener immer aktuellen Geschichten, in denen eine Person felsenfest davon überzeugt ist, dass sie jene Person sein wird, die Dinge ganz anders machen wird. Diese Person muss dann herausfinden, dass es natürlich sehr naiv war, zu glauben, dass man damit niemandem in die Quere kommt.

Timothée Chalamet: Es geht im Grunde um einen jungen Menschen, der erst einmal herausfinden muss, wer er ist – und das unter wirklich außergewöhnlichen Bedingungen.

Joel Edgerton: Was mir dazu jetzt ganz spontan noch einfällt: Timothée und Lily-Rose (Depp, Anm.) sind für mich ja so etwas wie die neuen Königskinder. Timmy ist definitiv so etwas wie ein moderner Prinz, wenn man den gewaltigen Trubel um ihn als Kriterium hernimmt. Leider vergessen die Leute vor allem in den sozialen Medien jedoch allzu leicht, dass sie es dabei aber auch immer noch mit Menschen zu tun haben.

Wenn du König wirst. In dieser losen, atmosphärisch und ästhetisch wuchtigen Shakespeare-Bearbeitung sieht sich Timothée Chalamet ("Call Me By Your Name") als royaler Taugenichts dazu verdonnert, in die Rolle des Herrschers hineinzuwachsen. Auf den Machtrausch muss man nicht lange warten …