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Stories | Interviews
11/25/2019

Die Mutbürgerin: Keira Knightley zu "Official Secrets"

Der britischen Geheimdienst-Übersetzerin Katharine Gun ist es zu verdanken, dass man 2003 von den unlauteren Methoden erfahren durfte, mit denen die USA und Großbritannien ihren Irak-Feldzug sichern wollten. Keira Knightley hat die wackere Whistleblowerin im neuen Polit-Thriller "Official Secrets" verkörpert – und uns im exklusiven Interview in London (unter anderem) erzählt, wie sie es selbst mit der Zivilcourage hält.

SKIP: Ms. Knightley, was hat Sie dazu bewogen, die Hauptrolle der Whistleblowerin Katharine Gun in "Official Secrets" zu übernehmen?

Keira Knightley: Mich hat in erster Linie Guns Geschichte fasziniert, weil ich davon gar nichts gewusst hatte. Als der Einmarsch in Irak passierte, war ich 18 und ein politisch sehr engagierter Teenager. Entsprechend hatte ich auch genau mitverfolgt, wie es zu diesem Konflikt kam – an die Rolle von Katharine Gun konnte ich mich aber überhaupt nicht erinnern. Dass sie mit ihrer Aktion aber ausschlaggebend dafür war, dass es keine zweite UN-Resolution gab, erschien mir interessant genug, um mir die Story noch einmal genauer anzuschauen.

Haben Sie die echte Katherine Gun im Zuge Ihrer Vorbereitungen auf die Rolle je getroffen?

Wir hatten vor dem Dreh einmal ein gemeinsames Mittagessen. Und dann hat sie uns mit ihrer Familie auch noch einmal am Set besucht. Sie konnte mir viele Fragen aus rechtlichen Gründen – eben wegen des Official Secrets Acts – allerdings nicht beantworten. Die Konsequenzen wären für sie einfach zu gravierend gewesen. Sie hat mir also nicht erzählt, an wen sie das Memo damals weitergeleitet hat und auch sonst nichts, was nicht ohnehin schon bekannt gewesen wäre. Und nachdem ich kein Journalist wie Sie bin, habe ich da auch nicht nachgebohrt! (lacht)

Aber können Sie uns verraten, was Sie selbst von Whistleblowern halten?

Es gibt in dieser Angelegenheit für mich zwei Seiten. Wenn etwas Falsches gemacht wurde, dann muss es dafür eine eindeutige Haftung geben. In einem Rechtsstaat müssen sich alle an die Gesetze halten – auch Regierungen und Geheimdienste. Nur tun diese das eben oft auch nicht. Als Bürger, dessen Sicherheit aber selbstverständlich auch von der Arbeit von Geheimdiensten abhängt, muss man sich freilich die Frage stellen, ob einem das taugt, dass in deren Namen immer wieder Gesetze gebrochen werden …

Wie würden Sie Mut definieren?

Mut ist, wenn du weißt, dass du was zu verlieren hast und etwas trotzdem machst. Egal, wie man nun zu dem Whistleblower-Ding auch stehen mag: Man kann wirklich nicht behaupten, dass diese Leute nicht mutig gewesen wären. Auch Katharine Gun wusste natürlich, was ihr nach diesem Schritt blüht. Sie hat es trotzdem gewagt – weil sie an das geglaubt hat, was sie macht.

Wären Sie in so einem Fall auch so mutig?

Ich weiß es nicht … Ich würde wohl eher schauen, dass ich das Ganze unbeschadet überstehe – aber würden das nicht die meisten von uns? Das ist ja auch das Traurige an der Sache: Whistleblower haben nach ihren Taten meistens echt kein leichtes Leben. Und trotzdem erziehen wir unsere Kinder dazu, dass sie immer die Wahrheit sagen sollen und dass das Gute letztlich das Böse besiegen wird. Das ist aber nicht immer das, was die Gesellschaft von einem möchte.

Fühlen Sie sich generell gut informiert? Welche Medien konsumieren Sie?

Ich lese Zeitungen wie den Guardian, die New York Times, an Wochenenden auch mal die Financial Times. Vor dem Dreh von "Official Secrets" habe ich mich auch ausgiebig in die Materie eingelesen. Regisseur Gavin Hood ist in dieser Hinsicht auch wirklich außergewöhnlich. Er war früher Anwalt und Journalist und liebt es, sich so richtig in ein Thema reinzutigern. Dahingehend war er eine sehr große Unterstützung für mich, weil er mir bei allen möglichen Aspekten der Story mit Input weiterhelfen konnte. Er hat mir dann oft einen riesigen Stapel mit Info-Material in die Hand gedrückt (lacht). Der Chilcot-Report (der Bericht über die Ergebnisse einer öffentlichen britischen Untersuchung zur Rolle des Landes im Irakkrieg, Anm. d. Red.) war beispielsweise eine wichtige Quelle für mich.

Provokant gefragt: Lässt sich die Botschaft von "Official Secrets" mit "Traue niemals deiner Regierung" zusammenfassen?

Nein! Die Botschaft ist, dass es in der Angelegenheit immer noch eine Menge offene Fragen gibt, die unbedingt beantwortet gehören. Als Gesellschaft muss man seiner Regierung natürlich vertrauen können. Die Frage ist nur, wie das erreicht werden kann. Eine Antwort darauf habe ich aber leider auch nicht …

Whistleblowin’ in the Wind. Die eigene Existenz riskieren, damit Millionen Menschen Schlimmes erspart bleibt? Würde nicht jeder.