© Claudia Janet Kaller

Stories | Interviews
03/04/2020

Jetzt schlägt's Elf: Kori Rae zu "Onward"

Dass die bunte Märchenwelt von Pixar anders ist als die von Disney, beweist einmal mehr auch das neueste Meisterwerk der Animationswunderschmiede eindrucksvoll. In "Onward – Keine halben Sachen" stellt ein pubertierender Elf fest, dass er magische Kräfte besitzt. Ob diese aber auch ausreichen, um den verstorbenen Vater für einen Tag zurückzuholen? Das hat uns Pixar-Produzentin Kori Rae im exklusiven Talk zwar nicht verraten, wohl aber, wie sie es immer wieder schafft, Schauspiel-Stars für Sprechrollen zu gewinnen.

SKIP: Die jüngste Pixar-Produktion Onward – Keine halben Sachen wurde vor sechs Jahren aus der Taufe gehoben. Wie bleibt man über so eine lange Zeit am Ball, ohne dabei die Lust zu verlieren?

Kori Rae: Ich fokussiere mich immer nur auf ein Projekt, weil ich weiß, dass gute Filme Zeit brauchen. Wir alle haben nebenbei ja auch noch ein Leben und Familien. Man sollte sich seine Energie also gut einteilen. Da ich schon ein paar Filme verwirklicht habe, weiß ich von Anfang an, was auf mich zukommt. Daher teile ich mir die Zeit entsprechend ein und sorge dafür, dass sich mein Team gegenseitig immer wieder von Neuem motiviert. Wer ein gutes Produkt will, der muss wissen, dass es keine Abkürzungen gibt. Von der ersten Idee bis zur Fertigstellung vergeht einfach immer viel Zeit. Aber es lohnt sich dranzubleiben, denn wir erreichen mit unseren Filmen die Herzen von Millionen von Zuschauern – und darum geht es letztendlich.

Ihre Filme zeichnen sich nicht nur durch fantastische Animationsarbeit aus, sondern auch durch tolle Synchronstimmen-Ensembles. In "Onward" sind unter anderem Tom Holland und Chris Pratt mit dabei. Wie suchen Sie die Schauspieler aus, die die Figuren sprechen?

Zuerst werden die Figur und die Geschichte entworfen. Der Charakter dieser Figur wird komplett gestaltet, danach suchen wir nach einer passenden Stimme. Oft haben die Animatoren-Teams aber schon eine gewisse Person im Kopf, wenn sie etwas zeichnen. Die Frage ist dann bloß noch, ob die dann auch die Sprechrolle übernehmen will!

Ist es eigentlich auch schon mal vorgekommen, dass Darsteller erst zu- und dann wieder abgesagt haben, etwa weil sie plötzlich nicht mehr verfügbar waren?

Nicht wirklich! Für uns ist das ja lediglich eine Frage der Koordination. Wenn eine Person im Moment grad nicht kann, dann kann sie halt irgendwann später. Oder einer von uns hat einer Figur zunächst einmal die Stimme geliehen – und erst danach kamen dann die ausgewählten Schauspieler dazu. Die müssen die Tonspur ja ohnehin mehrfach aufnehmen, bis wir ganz genau das haben, was wir am Ende für den Film brauchen. Tonaufnahmen lassen sich in einer entsprechend hohen, gleichwertigen Qualität mittlerweile ja auch überall auf der Welt produzieren. Das hat das Vertonen von Animationsfilmen darüber hinaus noch einmal erheblich vereinfacht.

In Onward spielt Ironie eine nicht ganz unwesentliche Rolle – etwa in Person des ehemaligen Superbösewichts, der sich nun im Themen-Fast-Food-Restaurant durchschlagen muss. Was war die Idee dahinter?

Die Dinge verändern sich oft rasend schnell. Wir haben uns überlegt, was der größtmögliche Gegensatz-Job sein könnte, den ein ehemaliger Superbösewicht heute ausüben müsste, um am Ende des Tages die Miete bezahlen zu können. Da kam uns die Idee, Manticore in einer Abenteuer-Fast-Food-Bude arbeiten zu lassen – als einstige Berühmtheit, die dort die Kunden unterhält und dafür sorgt, dass der Laden brummt. Man kennt diese Art von Unterhaltung ja schließlich auch aus diversen Themenparks nur allzu gut!

Die Nerven von Einhorn- oder Feen-Fans werden in diesem Film durchaus strapaziert, oder?

Es ist nun mal die Welt von männlichen Teenagern, selbstverständlich hassen die Einhörner oder Elfen! Also treten die bei uns dann auch mal nicht so niedlich auf, wie man sie seit ein paar Jahren aus Supermärkten und Spielzeugläden kennt. Wer lacht nicht, wenn er Einhörner im Mülleimer wühlend sieht? Und die Rockerfeen? Das ist doch mal etwas! Die sind genauso wehrhaft wie die anderen Feen, haben aber das Glitzerröckchen gegen ein Lederoutfit eingetauscht. Anstelle der Schleifchen gibt es eben Tattoos und Nasenringe. Das Leben in der Märchenwelt von Onward ist bunt und vielseitig. Wir zeigen eine moderne Fantasiewelt, es gibt Magie und Wunder, aber auch das Alltägliche. Und ziemlich schlagkräftige Feen!