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Stories | Interviews
11/10/2019

Mr. Bombastic: Roland Emmerich zu "Midway - Für die Freiheit"

Mit "Midway – Für die Freiheit" hat Blockbuster-Spezialist Roland Emmerich die Zweite-Weltkriegs-Schlacht um das titelspendende Pazifik-Atoll neu verfilmt. Seiner Liebe zu jeder Menge Action und großen Bildern ist der Hollywood-Schwabe dabei definitiv treu geblieben. Was ihn an dem Stoff gereizt hat, verriet er SKIP im Zuge eines exklusiven Interviews in Berlin.

SKIP: Wann hatten Sie die Idee, die Schlacht von Midway zu verfilmen?

Roland Emmerich: Ach, die hatte ich schon vor über 20 Jahren. Aber damals war ich als Regisseur fest bei Sony unter Vertrag. Obwohl der Chef von Sony die Idee an sich sehr gut fand, war das Projekt insgesamt damals aber zu teuer. Dazu kam, dass die Japaner die Schlacht verloren haben, im Mutterkonzern bestand daher nur geringes Interesse an diesem Projekt. Man bot mir im Gegenzug "Der Patriot" an. Dafür gab es auch bereits ein super Drehbuch, das habe ich dann umgesetzt. Als danach Jerry Bruckheimer und Michael Bay mit "Pearl Harbor" gekommen sind, war der Midway-Stoff für mich auf lange Zeit erledigt.

Denken Sie, dass amerikanische Nationalisten den Film, in dem es um US-Kriegshelden und ihre glorreichen Taten geht, abfeiern werden?

Nein, das glaube ich nicht. Wir haben das bereits getestet, das Gegenteil war der Fall. Das Testpublikum wollte weder mehr US-Flaggen noch mehr Jubelgeschrei haben. Denen gefiel gerade, dass am Ende nicht mehr so gejubelt wird, sondern beide Seiten trauern. Denn der Krieg war nach dieser Schlacht ja noch lange nicht zu Ende.

Midway besitzt weniger kriegsverherrlichende Szenen als erwartet. Was steckt dahinter?

Ich möchte das nicht mehr. Wir haben im fertigen Film ein bis zwei Hurra-Szenen drin. Mehr wollte ich einfach nicht, das kam mir falsch vor. Das war damals auch nicht so. Das einzige Mal, dass in meinem Film eine US-Flagge recht spektakulär aufgezogen wird, hat das mit dem legendären Regisseur zu tun, der als eine Nebenfigur zum Einsatz kommt. Ford hat damals auch wirklich entsprechendes Material für die Wochenschauen gefilmt. Ganz der Perfektionist sagt er aber dann auch: „Lass uns das nochmal machen, wir brauchen das anders.“

War das also quasi Ihre Hommage an den großen Filmemacher John Ford?

Kann man so sagen! Als er verletzt wird, ruft er ja auch noch: „Weiterdrehen, weiterdrehen!“ Damit nehme ich mich selbst etwas auf die Schippe, denn ich bin ein besessener Regisseur – so wie John Ford besessen war. Übrigens ist die Szene auf dem echten Midway-Atoll unsere allererste Szene gewesen an unserem allerersten Drehtag.

Haben Sie den Film von 1977 über die Midway-Schlacht gesehen?

Ja, als Kind im Kino mit Sensurround-Verfahren, wo alles gewackelt hat. Das hat mich damals tief beeindruckt. Heute finde ich, dass es bessere Kriegsfilme gibt. Aber der Film aus 1976 ist halt mit vielen berühmten US-Filmstars vollgepackt, das kann man kaum toppen. 

Ihr Film hat chinesische Koproduzenten – wie war die Zusammenarbeit?

Die Chinesen haben eine andere Sicht auf diese Zeit und die Dinge, die damals passierten. Wir haben von ihnen völlig freie Hand bekommen, was wir erzählen und drehen wollten. Japan war das einzige Land, dem wir den Film nicht im Vorverkauf angeboten haben. Als der Film fertig war, haben wir ihn allen japanischen Kinoanbietern gezeigt. Zu unserer großen Überraschung entstand ein gegenseitiger Bieterwettbewerb um die Rechte.

Sie zeigen Yamamoto, den kaiserlichen Oberkommandanten der japanischen Marine, anders als erwartet. Warum?

Wir wollten nicht die alten Klischees und Feindbilder zum x-ten Mal wiederholen. Ein japanischer Historiker stand uns beim Dreh zur Seite. Mit ihm haben wir die Szenen vorab besprochen und er hat korrigiert, wenn es nötig war. Wir wollten die Gegenseite so ehrlich und authentisch wie möglich zeigen. Deshalb sprechen in der US-Version die Japaner alle japanisch mit englischen Untertiteln und nicht etwa englisch mit einem komischen Akzent.

Welches Projekt steht bei Ihnen als Nächstes an?

Ich werde kommendes Jahr mit "Moonfall" beginnen.

Worum wird es darin gehen? 

Darum, dass der Mond nicht das ist, was wir glauben. Er fasziniert uns, es sind über die Jahrtausende viele Kultorte entstanden, die nach ihm ausgerichtet wurden. Denken Sie an die Himmelsscheibe von Nebra oder die keltischen Mondkalender aus Stein. Der Film geht der Frage nach, was passiert, wenn der Mond seine Laufbahn verlässt, er gar auf der Erde einschlagen könnte …