© Sky

Stories | Interviews
04/23/2020

Schickes Boot, Käpt’n: Clemens Schick zu "Das Boot" (S2)

Neuer Mann an Bord! In der zweiten Staffel des aufsehenerregenden Sky-Serienrevivals von Das Boot spielt Clemens Schick einen Nazi-U-Boot-Kapitän, den seine Kriegsmüdigkeit während einer entscheidenden Mission eine folgenschwere Entscheidung treffen lässt. Wie er diese anspruchsvolle Rolle angelegt hat und wie ihn ein Theater-Engagement in Afghanistan darauf vorbereitet hat, das hat uns der ehemalige Bond-Bösewicht im Rahmen eines Gesprächs in Hamburg verraten.

SKIP: Du bist einer der Schauspieler-Neuzugänge in der zweiten Staffel von "Das Boot". Was hat dich zum Mitwirken bewogen? Hast du die erste Staffel gesehen und dir gedacht, dass du gern auch mal auf dem engsten Set der Welt arbeiten möchtest?

Clemens Schick: Fast! (lacht) Erst einmal wurde ich gefragt, ob ich mitwirken möchte. Dann gab es Konstellationsmeetings mit anderen Schauspielern, wo geschaut wurde, wie man zusammenpasst. Ich kannte ja schon einige Kollegen, wie Leonard Scheicher, mit dem ich bereits gearbeitet habe, ich kenne auch Tom Wlaschiha schon sehr lange. Vicky Krieps ebenfalls. Ich kannte Rick Ostermann bereits als Regisseur. Wir hatten alle Lust auf eine Zusammenarbeit. Und es hat gepasst, Gott sei Dank. Je mehr ich danach über die Rolle erfahren habe, desto euphorischer wurde ich. Kapitän Johannes von Reinhartz ist eine tolle Figur, als Schauspieler eine große Herausforderung. Aber genau solche Herausforderungen suche ich.

Was hat dich an der Rolle im Speziellen gereizt?

Reinhartz stellt Anfang seiner Vierziger fest, dass die Werte, die bisher von morgens bis abends sein Leben bestimmt haben, für ihn nicht mehr zählen. Er stellt sie und sich infrage. Das war für einen Soldaten in jener Zeit mit einer Erschütterung verbunden, die einen in die Verzweiflung treiben konnte. Aus dieser Verzweiflung heraus wird er dann aber aktiv. Da steckt fast schon was Philosophisches dahinter: Wie ist das, wenn man ein bisschen über der Mitte des Lebens feststellt, dass man ein falsches Leben geführt hat, dass das, wofür man gelebt hat, einen die nächsten Jahre nicht mehr weiterträgt? Hat man den Mut, das zu erkennen und unter Gefährdung des eigenen Lebens Konsequenzen zu ziehen?

Steht Reinhartz für dich damit stellvertretend für erste Regime?

Ich kann nur von meiner Figur reden und die ist in ihrer Erkenntnis isoliert. Reinhartz tauscht sich nicht aus und er tritt keinem Widerstand bei, den es zu der Zeit auch schon gab. Er ist mit sich allein in dieser Auseinandersetzung und trifft für sich allein Entscheidungen. Im Grunde dreht sich für mich dabei alles um die pazifistische Botschaft, dass Krieg sinnlos ist und zu nichts anderem führt als zum Tod.

Du hast vor vielen Jahren in Afghanistan vor Soldaten Theater gespielt. Rühren deine Erkenntnisse auch von dieser Erfahrung her?

2008 habe ich in Afghanistan vor allem Angst erfahren, die ich so bis dahin in meinem Leben noch nicht gekannt hatte. Ich habe damals im NATO-Hauptquartier gespielt. Von dort zum Flughafen fährt man in etwa vierzig Minuten. Wir waren dafür in einem Konvoi von Dingos, diesen Panzerfahrzeugen, unterwegs. In denen ist man geschützt, aber letztlich doch ausgeliefert – genauso wie in einem U-Boot. Diese Erinnerung kam bei den Dreharbeiten zu "Das Boot" tatsächlich wieder hoch, diese Stille, dieses Ausgeliefertsein.

Es ist allerdings auch in zwischenmenschlicher Hinsicht eine sehr spezielle Situation, wenn meist blutjunge Männer auf engstem Raum gleichsam aufeinander picken – und einigen davon dann nach und nach die Sinnlosigkeit des Ganzen bewusst wird.

Umso wichtiger sind da Führungspersonen. Darum geht’s ja auch in der zweiten Staffel: An wen glaubt man und an wen verliert man den Glauben? Und was macht dies mit der eigenen Person in einer solchen Hierarchie? Das ist ein ganz großes Thema.

Ein großes Thema in deiner Laufbahn war sicher dein Mitwirken in Casino Royale, dem ersten Bond mit Daniel Craig. Was hast du persönlich davon mitgenommen?

Was ich bei Bond gelernt habe: Wie diesem Beruf begegnet werden kann, mit welcher Professionalität, Hingabe und Demut. Daran glaube ich bis heute. Das sind die Werte einer solchen Produktion. Jeder ist da in seinem Handwerk der Beste. Für mich ist Filmemachen immer Ensemblearbeit, mit Kollegen, mit Kolleginnen, mit Regie, Technik, Maske, Kostüm, Schnitt, Licht, Publicity-Abteilung. Ich bin ein Ensemblemensch, das war beim Theater schon so – vielleicht, weil ich aus einer Großfamilie komme. Für mich ist ganz wichtig: Wie geht man am Set miteinander um? Wie kümmert man sich umeinander? Bei "Das Boot" bin ich quasi in der zweiten Staffel zu einer Fußballmannschaft gestoßen, die zuvor schon erfolgreich zusammengespielt hat. Ich wurde denen im wahrsten Sinne des Wortes ins Boot gesetzt.

Und welche Bilanz ziehst du nun aus deiner ersten Ausfahrt mit "Das Boot"?

Es ist damit auf jeden Fall ein bisschen so etwas wie ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Ich war ja als Kind schon viel an der Nordsee. Schiffe, die aus dem Hafen auslaufen, haben für mich immer etwas mit Abenteuer zu tun. Mein Traum ist es auch heute noch, mit dem Schiff nach Amerika zu fahren. Die Reise ins Ungewisse ist das, was ich suche. Da gibt es sicher Parallelen zum Schauspielberuf. Wenn ich eine Rolle anfange, weiß ich nicht, wohin die Reise geht. Wie ich die Rolle letztendlich spiele, entscheidet sich oft erst am Set. Da ist nicht alles geplant. Und jetzt habe ich eben eine Mütze auf und spiele einen Käpt’n. Wie gesagt: Ein Kindheitstraum, der für mich in Erfüllung gegangen ist!