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Stories | Interviews
12/09/2019

Strait-Gespräch: "The Expanse"-Star Steven Strait zur neuen Staffel

Um ein Haar wäre Steven Strait vor eineinhalb Jahren arbeitslos geworden. Doch dann wurde die eben erst abgesetzte 
SciFi-Kultserie "The Expanse" quasi über Nacht von Amazon überraschend wiederbelebt – und der 33-Jährige darf darin 
nun auch weiter in die Rolle des Captain James Holden schlüpfen. Warum ihn diese Figur heute sogar noch mehr fasziniert 
als früher, hat er uns im Exklusiv-Talk erzählt.

SKIP: Was können wir uns von der neuen Staffel "The Expanse" erwarten?

Steven Strait: Die Handlung nimmt den logischen nächsten Evolutionsschritt. Ich denke, dass die vierte Staffel unsere bisher stärkste Arbeit ist. Produktionstechnisch spielt sich nun das meiste auf einem Planeten ab, dadurch haben wir so viel wie noch nie draußen gedreht. In visueller Hinsicht ist das natürlich etwas ganz Neues. Oft tappen Shows, die gut laufen, ja in dieselbe Falle: „Okay, bis hierhin ist es gut gelaufen, also machen wir einfach genau so weiter!“ Da wird dann nichts mehr riskiert. Wir sind das Risiko aber bewusst eingegangen, haben uns einfach immer weiter gepusht.

Hattet ihr für die angesprochenen Außenaufnahmen denn nun auch ein größeres Budget, weil die Serie ja mittlerweile vom finanzstarken Konzern Amazon finanziert wird?

Die Außenaufnahmen waren in erster Linie einmal eine logistische Herausforderung. Wir hatten sicher auch etwas Budget, aber nicht übermäßig viel. Obwohl Amazon die Serie vertreibt, ist das Produktionsstudio ja dasselbe geblieben. Beim Dreh hatten wir unsere Base außerhalb Torontos, dort wurden uns echt wunderschöne neue Sets hingestellt. Aber es war natürlich auch ganz schön hart, im kanadischen Winter zu drehen – da hat es dann auch schon mal minus 20 Grad! Aber solche erschwerten Bedingungen machen das Ganze ja nur noch befriedigender, weil wir ganz sicher wussten, dass das, was wir machen, funktionieren wird. Und wir wussten auch, dass wir es den Fans, die sich so stark für eine Fortsetzung der Show eingesetzt haben, schulden, wirklich das Bestmögliche rauszuholen.

Ihre Figur James Holden hat ja seit dem Beginn der Serie eine ziemlich einschneidende Entwicklung durchgemacht. Wie würden Sie seine persönliche Reise beschreiben?

Holden ist in Staffel vier sicher ein ganz anderer Typ als am Anfang. Seine Sicht der Dinge war früher sehr schwarzweiß, er selbst war ein wenig naiv, dabei aber auch großspurig. Zugleich hat er Verantwortung aber immer abgelehnt. Das einzig wirklich Konstante an ihm ist, dass er immer versucht hat, das Richtige zu machen – selbst, wenn er nicht ganz genau wusste oder weiß, was das ist. Durch die gestiegene Verantwortung, der er sich irgendwann nicht mehr entziehen konnte, wurde aus ihm ein kompetenterer Anführer, auch sein Weltbild wurde komplexer. Er begann zu begreifen, dass Führungsentscheidungen in moralischer Hinsicht oft nicht so einfach sind. 

Macht das für Sie den besonderen Reiz dieser Rolle aus?

Absolut. Ich finde es spannend, dass Holden eben nicht gleich der Held ist. Es war für ihn äußerst schmerzhaft, dorthin zu gelangen, wo er jetzt ist – und er kam im Zuge dessen auch nicht immer sympathisch rüber. Diese Entwicklung rüberzubringen war für mich ein enormes Vergnügen.

"The Expanse" wird immer wieder mal als „Game of Thrones im All“ beschrieben. In letzter Konsequenz würde das bedeuten, dass nicht alle Figuren bis zum Ende der Serie überleben werden, oder?

Es gab doch auch bei uns schon immer wieder einmal überraschende Tode! Angefangen bei der ersten Folge, die gleich einmal die Hälfte der Charaktere nicht überlebt.

Man dachte ja auch lange Zeit, dass Thomas Janes Joe Miller die zentrale Figur ist …

Und dann kracht der Typ einfach mal so in die Venus! (lacht) Mit "Game of Thrones" vergleichbar sind in gewisser Weise sicher die übergeordneten Allegorien und Metaphern für gegenwärtige politische Angelegenheiten, auch der enorme Umfang der Geschichte ist sicher ähnlich.

Und in weiterer Folge hoffentlich auch bald die Größe der Fan-Basis!

Ja, hoffentlich auch bald die Größe der Fan-Basis! (lacht) Die Leidenschaft der Fans ist ja jetzt schon definitiv vergleichbar. Ich finde es generell wunderbar, was man mit Genre alles erreichen kann. Für gewöhnlich lese ich keine Reviews, aber vor Jahren hat mir ein Freund mal zwei weitergleitet. Eine war aus der Washington Post, die uns als politisch relevanteste Show im TV bezeichnet hat, die andere war aus dem Federalist, der an sich ganz anders positioniert ist, uns aber in etwa das Gleiche attestiert hat. Darauf war ich sehr stolz. Denn es bedeutet für mich, dass wir mit der Art und Weise, mit der wir Themen behandeln, keine Agenda verfolgen oder gar werten, allerdings sehr wohl zu Diskussionen anregen. Ich denke, dass es Genre schafft, Gespräche über Themen anzustoßen, gegen die sich Leute verwehren würden, wenn du sie ihnen zu direkt aufs Auge drückst. Gerade heutzutage ist so etwas immens wichtig, finde ich.