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Stories | Interviews
01/21/2020

Summer of ’29: Volker Bruch und Liv Lisa Fries zu "Babylon Berlin"

Mit den ersten zwei Staffeln der Sky/ARD-Gemeinschaftsproduktion "Babylon Berlin" haben Volker Bruch und Liv Lisa Fries der deutschsprachigen TV-Landschaft mit dem alten Glam der Roaring Twenties gehörig viel neuen Glanz verliehen. Welchen Herausforderungen und Gefahren sich die beiden Hauptdarsteller beim Drehen der brandneuen Episoden stellen mussten, das haben sie uns im Anschluss an die Weltpremiere von Season drei verraten – selbstverständlich in Berlin.

SKIP: In der ersten Folge der neuen Babylon Berlin-Staffel wird eine Schauspielerin von einem herunterfallenden Scheinwerfer getötet. Ob es sich dabei um einen Unfall gehandelt hat oder nicht, wird sich noch herausstellen. Aber einmal abgesehen davon: Bekommt man bei so etwas nicht gleich noch mehr Respekt vor der Arbeit von Beleuchtern und anderen Crew-Mitgliedern?

Volker Bruch: Es scheint auf jeden Fall ratsam zu sein, dass man sich mit Beleuchtern gut stellt! (lacht)

SKIP: Gab es für euch denn auch mal ähnlich gefährliche Situationen am Set?

Liv Lisa Fries: Du meinst jetzt in der dritten Staffel? In den ersten beiden war es ja so, dass meine Figur Charlotte öfter mal fast draufgegangen ist. Es ist natürlich schwer, jetzt schon drüber zu sprechen, ohne zu viel zu verraten, aber es gibt in den neuen Folgen auf jeden Fall hohe Verluste. Das wird noch richtig schmerzhaft für Charlotte. Ich habe in der dritten Staffel jedenfalls einen Stunt gemacht, der richtig herausfordernd war, der mich viel Mut und Überwindung gekostet hat. Wenn ihr die entsprechende Szene dann seht, werdet ihr wissen, wovon die Rede ist.

Volker Bruch: Ich hatte so etwas tatsächlich in der ersten Staffel: Bei den 1. Mai-Szenen wurde mit Explosionen gearbeitet, die aus der Wand kamen. Bei einem Take habe ich allerdings keine Ohropax getragen und ausgerechnet da ging die Explosion zu früh und zu nah an meinem Ohr los. Seitdem begleitet mich ein Tinnitus als Mini-Babylon-Andenken. Mittlerweile habe ich mich damit aber angefreundet – das ist auch der einzige Weg, der Sinn macht.

Wie hat denn eure Recherche ausgesehen, als es darum ging, Figuren zu erschaffen, die vor 100 Jahren gelebt haben – zum Beispiel was Sprache und Verhalten betrifft?

Liv Lisa Fries: Für die neue Staffel war die Recherche natürlich weniger umfangreich als für die ersten beiden, weil ich mir für diese ja schon die Basics angeeignet hatte. Ich habe viel gelesen, mir Fotos und Filme angeschaut. Es gab auch mal eine tolle Ausstellung im Ephraim-Palais – für mich ist es wichtig, Dinge haptisch erfahren zu können. Dort gab es auch eine Etage, in der man jene Zeit olfaktorisch erfassen konnte, etwa mit den Parfüms von damals. Als wir dann die Kostüme und die Requisiten hatten, wurde sowieso alles konkreter – denn dann weiß man, was einen umgibt. Es war für mich auch interessant, mit welcher Gestik Schauspieler damals agiert haben. Im tollen Film Menschen am Sonntag bekommt man auch für die damalige Zeit natürliches Verhalten zu sehen. Es gibt in der Serie aber auch Sachen, die modern sind und die man früher so nicht gesagt hat. 

In der dritten Staffel bekommt man den Eindruck, dass alles noch einmal etwas politischer und bedrohlicher wird. Da kocht bereits einiges aus dem rechten Spektrum hoch, es gab offenbar auch damals schon Fake News. Man hat das Gefühl, dass die Party zwar noch am Laufen ist, sie aber unweigerlich einem Ende zusteuert.

Volker Bruch: Das ging mir beim Schauen auch so. Wir sind ja tatsächlich noch gar nicht so viel weitergekommen, befinden uns immer noch im Jahre 1929. Der Druck nimmt nun aber einfach zu. Und er wird auch noch weiter zunehmen.

Was ebenfalls zuzunehmen scheint, ist die Hinwendung zum Okkulten. Habt ihr euch denn in der Vorbereitung auch mit dieser Thematik beschäftigt?

Volker Bruch: Beim Thema Kriminaltelepathie habe ich mir am Anfang gedacht: Sag mal, habt ihr sie noch alle? Und dann sagt mir Henk, dass es damals wirklich ein Riesenthema, ein Riesentrend gewesen ist, dass man Kriminalfälle mit Telepathie zu lösen versucht hat. Ebenfalls durch die Serie entdeckt habe ich diese Tag-Nachtschläfer-Geschichte, bei der man sich einfach zu zweit eine Wohnung geteilt hat – einer war tagsüber dran und einer nachts.

SKIP: In den neuen Folgen steht ja auch die Filmproduktion selbst im Mittelpunkt, zu einer Zeit, als gerade die einschneidende Transformation vom Stumm- zum Tonfilm erfolgte. Solche Umbrüche haben das Business ja immer wieder ereilt – nicht zuletzt auch aktuell, wenn man sich etwa ansieht, dass man mittlerweile selbst verstorbene Darsteller wieder in Filmen besetzen kann.

Volker Bruch: Das ist natürlich schon heftig. Aktuell denkt man sich bei "The Irishman": Wow, das ist ja De Niro in jung, wo haben sie denn den ausgegraben? Es ist aber natürlich irgendwie auch beruhigend, wenn man sieht, dass man als Schauspieler mit einer Range von plus/minus 40 Jahren jetzt echt aus dem Vollen schöpfen kann! (lacht)  

 

Die dritte Staffel von Babylon Berlin ist ab 24. Jänner auf Sky 1 & Sky X zu sehen.