© Claudia-Janet Kaller

Stories | Interviews
11/25/2019

Verbindungsängste: Interview mit Guy Burnet & Nina Toussaint-White zu "The Feed" (S1)

Was wäre, wenn wir alle über eine neue Technologie miteinander verlinkt wären? Wenn alle Gehirne connected wären, um jede Regung, jedes Gefühl, jede Handlung zu teilen? Es sind so hochinteressante wie hochbrisante (Zukunfts-)Fragen, die die neue TV-Serie "The Feed" aufwirft. SKIP hat die Hauptdarsteller Nina Toussaint-White ("Bodyguard") und Guy Burnet ("Counterpart") in London um Antworten gebeten.

SKIP: Wie sind Sie beide zu "The Feed" gestoßen?

Nina Toussaint-White: Bei mir ist das während der Pilot Season passiert. Das ist jene Zeit im Jahr, in der die TV-Produktionsfirmen neue Serien planen und besetzen. Da kriegt man Angebote, für die man sich bewerben kann – was ich auch gemacht habe. Ich wurde dann dabei gefilmt, wie ich für unterschiedlichste Produktionen einige Zeilen der jeweiligen Rollen gesprochen habe. Hat man Glück, geht es daraufhin in die nächste Runde mit weniger Konkurrenten. Wenn man auch die bestanden hat, darf man live vorsprechen. Dann bekommt man mehr Text oder – wie in meinem Fall bei "The Feed" – die erste Episode als Beispiel für die angebotene Rolle. Dabei habe ich dann Guy getroffen und es war klar: Jetzt wird’s ernst.

Guy Burnet: Ich hatte das Glück, dass ich zu diesem Zeitpunkt schon fix besetzt war, d. h. Nina und ich haben einen sogenannten Kameratest gemacht, um herauszufinden, wie wir gemeinsam rüberkommen und ob die Chemie stimmt. Sie tat es, also bekamen wir die Zusage, gemeinsam drehen zu können.

Denken Sie, dass Ihre gemeinsame Besetzung mit einem verstärkten Interesse an Diversity zu tun hat?

Toussaint-White: Definitiv! Ich habe vor 13 Jahren als Schauspielerin angefangen und damals sah es in den meisten TV-Serien noch komplett anders aus. Wir selbst haben diese Vielfalt ja längst gelebt, aber es hat gedauert, bis sie auch bei allen Produktionen und Drehbuchautoren angekommen ist.

Burnet: Ja, die Realität hat endlich alle inspiriert! Die Welt war schon lange Zeit viel bunter, besonders in den Großstädten. Und unsere Serie benötigt letztlich ja auch genau diese Vielfalt, damit sie funktioniert. Die Zuschauer werden sicherlich überrascht sein, was ein ausgedachtes Programm wie The Feed so alles auslösen kann. Da ist gerade Diversität eine wichtige Komponente …

The Feed wirft einen durchaus besorgten Blick in die nahe Zukunft …

Burnet: Richtig. All diese Vernetzungen sind ja schließlich nicht von Haus aus nur toll und gut. Die Technologie The Feed hat durchaus Überraschungen parat, die dazu führen, dass Dinge aus dem Ruder laufen. Da sind wir wieder bei der Realität: Nicht alles ist planbar, vieles verändert sich nach einiger Zeit – was dann Programmierungen schon mal auf den Kopf stellen kann.

Toussaint-White: Wir sind alle nicht davor gefeit, dass uns andere manipulieren oder beeinflussen. Man würde lügen, wenn man sagt, man sei immun gegen geschickte Werbung oder bestimmte Aussagen, die man online liest oder die sich viral verbreiten. Die Frage ist nur, was richtet das mit uns an, wenn wir alle miteinander vernetzt sind? Da gibt "The Feed" eine Antwort, die in ihrer Konsequenz sicherlich überrascht.

Denken Sie, dass Ihre Serie Leute aufrütteln kann?

Burnet: So weit würde ich nicht gehen, es ist schließlich immer noch Science-Fiction. "The Feed" hält uns einen Spiegel vor und präsentiert eine „Was wäre, wenn“-Geschichte. Natürlich gibt es dabei aber Parallelen zu Dingen, die wir heute erleben.

Toussaint-White: Ohne zu viel verraten zu wollen: Wir wissen alle, dass, wenn solche weltweiten Vernetzungen schiefgehen, sie das gründlich tun. Bei "The Feed" geht es um die globale Kopplung von Gefühlen, Neigungen, Fantasien, Taten, Wünschen und Bedürfnissen. Wenn eine solche Technologie Menschen umpolt, kann das schon schreckliche Folgen haben.

 

"The Feed" (S1) – ab 28.11. beim Amazon/Apple-Channel Starzplay

 

Interview: Claudia-Janet Kaller