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Stories | Interviews
01/30/2020

Vom Spiel zum Sein: Valerie Pachner zu "Ein verborgenes Leben"

Für die poetische Franz Jägerstätter-Biografie "Ein verborgenes Leben" hat der HollywoodKultregisseur Terrence Malick ("The Tree of Life") mit zahlreichen österreichischen und deutschen Schauspielern gearbeitet – so auch mit Valerie Pachner. Im exklusiven Gespräch hat uns die in Wels geborene Hauptdarstellerin von der Arbeit am Set, ihrer Figur und den Eigenheiten des Filmemachers erzählt.

SKIP: Wie sind Sie zu der Rolle der Franziska Jägerstätter gekommen?

Valerie Pachner: Zunächst kam ein Anruf der Casting-Agentur. Ich bin dort hin und habe vorgesprochen. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht einmal, worum es genau ging, dementsprechend konnte ich mich auch nicht vorbereiten. Das hat mir ehrlich gesagt gefallen. Alles, was ich wusste, war, dass es für Terrence Malick sein würde. Das Casting-Tape wurde daraufhin an Terry geschickt – und drei Wochen später hatte ich die Zusage.

Was war das für ein Gefühl, als die Zusage kam?

Ich konnte es zunächst gar nicht glauben. Das war ja noch bevor ich den Schiele-Film (Egon Schiele: Tod und Mädchen, Anm. d. Red.) gedreht habe, so lange ist das schon her. Ich hätte früher auch nicht gedacht, dass ich mal Filme drehen werde, da ich eigentlich Theater studiert habe. Noch dazu schien es absurd, dass Terrence Malick einen Film mit deutschsprachigen Schauspielern drehen wollte. Der Kontakt mit ihm gestaltete sich aber ganz natürlich, ohne Smalltalk. Wir haben sofort über die Welt und die Figuren gesprochen.

Sie sind in der Nähe von St. Radegund, dem Heimatdorf Jägerstätters, aufgewachsen. Kannten Sie seine Geschichte bereits?

Es stimmt, dass ich in der Nähe in Oberösterreich aufgewachsen bin, und ich kannte auch den Namen Jägerstätter, doch so bekannt wie man denkt, ist seine Geschichte nicht. Es gibt manche Österreicher, die sofort Bescheid wissen, andere wieder haben noch nie von ihm gehört. Auf einer Promo-Tour durch die USA habe ich neulich die Erfahrung gemacht, dass dort alle davon ausgehen, Jägerstätter wäre ein weithin bekannter, österreichischer Held.

Terrence Malick wird ja mitunter mal vorgeworfen, dass seine Filme prätentiös seien. Dabei mutet aber gerade das Schauspiel immer sehr naturalistisch an – so auch in diesem Film. Im Vordergrund steht nicht das Spiel, sondern das Sein.

Das stimmt. Auch wenn Spielen und Improvisieren gleichzeitig nicht immer so einfach ist. Die Art, wie Terry dreht, hat mir sehr zugesagt, da sie viele Freiheiten ermöglicht. Man muss kaum an technische Dinge denken, man kann sich überall hinbewegen und die Kamera folgt einem. Es gibt kaum Stative, die im Weg rumstehen, keine Schuss-Gegenschuss-Aufnahmen, bei denen ich darauf achten muss, ob der Anschluss stimmt … Für mich war das herrlich. Da wir mit natürlichem Licht gedreht haben, gab es auch keine Umbauzeiten. Wir haben die ganze Zeit gedreht. So wurde mir das Gefühl gegeben, in die Welt einzutauchen – und in Kombination mit der tollen Ausstattung fiel es leicht, vom Spiel zum Sein überzugehen. Das ist genau das, was Terry sucht. Er will das Leben abbilden. Deshalb bekommen auch Dinge wie Scheitern einen neuen Stellenwert.

Wie viel von der Rolle der Fani war denn bereits in Ihnen?

Gerade was die Herkunft und das Umfeld von Fani angeht, kannte ich bereits vieles. Meine Großeltern waren selbst Bauern und die Berge waren mir natürlich vertraut. Dort zu leben fühlte sich dahingehend recht logisch an. Die Dinge, die den Figuren geschehen, prägen sie, und machen sie wahrscheinlich erst zu den Menschen, die wir dann auf der Leinwand sehen. Die Situation, in der sie sich befinden, ist für mich das Wesentliche. Geholfen hat auch die Tatsache, dass ich von acht Uhr morgens bis spät abends in der Rolle war. Die Ereignisse des Films, auch die schlimmen, erschienen mir dann völlig klar und logisch. Ich musste nichts erzwingen oder von irgendwo herholen.

Terrence Malick ist ein Filmemacher, der in der Öffentlichkeit quasi nicht existiert und von dem man kaum etwas weiß. Wie haben Sie ihn denn erlebt?

Er ist ein sehr lieber Mensch. Jemand, der sehr höflich, bedacht und vielleicht auch vorsichtig ist. Ich würde das nicht unbedingt scheu nennen. Denn im selben Moment ist er auch sehr zugänglich. Das Mysterium betrifft nur seine öffentliche Person. Mit seiner eigenen Umgebung geht er ganz anders um. Er ist offen und hört zu, was sein Gegenüber zu sagen hat. Oft macht er Komplimente oder Witze. Er strahlt viel Wärme aus. Man hört bei ihm auf, sich über die kleinen, alltäglichen Probleme Gedanken zu machen und fokussiert sich auf das große Ganze.