© SKIP-Archiv

Stories
09/19/2019

Lost in Translation: Deutsche Filmtitel von kurios bis furios

Wenn ein fremdsprachiger Originaltitel für das hiesige Publikum adaptiert werden soll, rauchen den Marketing-Beauftragten mitunter die Köpfe. Wir haben eine Sammlung brillanter, mieser und wunderlicher Filmtitel-Adaptionen für euch zusammengestellt.

Catch Me! (OT: Tag, 2018)

Klare Botschaften sind im Marketing das Um und Auf. Wenn ein Originaltitel einem deutschen Begriff mit vollkommen anderer, also potentiell stark irreführender Bedeutung entspricht, dann schrillen bei den Verantwortlichen dementsprechend die Alarmglocken. Warum man einen englischen Titel in Folge aber unbedingt durch einen anderen englischen ersetzen muss, konnten wir allerdings in keiner Marketing-Fibel nachlesen.

 

Vergiss mein nicht! (OT: Eternal Sunshine of the Spotless Mind, 2004)

Ja, Michel Gondrys Meisterwerk bleibt einem tatsächlich ewig in Erinnerung. Zum Vergessen ist allerdings der deutsche Titel, der statt der einzigartig inszenierten Romanze eine 08/15-Liebesschnulze nach Schema F suggeriert.

 

Der Babynator (OT: The Pacifier, 2005)

Während das englische "Pacifier" passenderweise sowohl für "Schnuller" als auch "Friedensstifter" steht, konnte man im Duden wohl keinen doppeldeutigen Begriff ausfindig machen, der den militärisch ausgebildeten Babysitter (Vin Diesel) angemessen benennt. Die Mission endete ganz offensichtlich in einer Verzweiflungstat ...

 

Prakti.com (OT: The Internship, 2013)

Zugegeben: allzu gewollt witzige Wortkombination-Kreationen gehen mitunter nach hinten los. Wagnis zahlt sich allerdings überall dort aus, wo es sich beim Film – wie in diesem Fall – sowieso um seichte Comedy-Kost handelt und der fade Orginaltitel definitiv ein wenig Pepp verträgt.

 

Die Ritter der Kokosnuss (OT: Monty Python and the Holy Grail, 1975)

Während der Originaltitel die britischen Comedy-Masterminds hinter der absurden Satire würdigt, zollt die deutsche Fassung nicht nur der zugrundeliegenden Sage um König Artus und die Ritter der Tafelrunde Tribut, sondern gönnt auch einem der unverkennbarsten Sound-Effekte der Filmgeschichte seinen verdienten Platz im Filmtitel. We like!

 

Quigley, der Australier (OT: Quigley Down Under, 1990)

Ob die Marketing-Beauftragten den Abenteuerfilm mit Tom Selleck wohl vorab gesehen haben? Bei Quigley handelt es sich jedenfalls nicht um einen Australier, sondern um einen amerikanischen Scharfschützen, der rekrutiert wird, um in Übersee für einen Ranch-Besitzer Dingos abzuknallen.

 

Thor: The Dark Kingdom (OT: Thor: The Dark World, 2013)

Kalter Titel-Krieg? Angeblich wurde der englische Originaltitel vom Marvel-Abenteuer des Donnergottes für die Vermarktung im deutschsprachigen Raum abgeändert, um einen drohenden Rechsstreit abzuwenden. Zum Zeitpunkt des Filmstarts des US-Streifens war nämlich schon ein russischer Fantasy-Horror-Schocker mit dem Titel "Dark World" im Umlauf.

 

The Return of the First Avenger (OT: Captain America: The Winter Soldier, 2014)

Alles nur Spekulation natürlich, aber wurde dem deutschsprachigen Publikum hier gar schlichtweg latenter Anti-Amerikanismus unterstellt?

 

The First Avenger: Civil War (OT: Captain America: Civil War, 2016)

Und wenn man einmal mit dem Titelquatsch angefangen hat, kann man natürlich auch nicht mehr so einfach damit aufhören.

 

Agent Null Null Nix (OT: The Man Who Knew Too Little, 1997)

Während die Anspielung auf den Hitchcock-Klassiker "The Man Who Knew Too Much" im Original mit stimmiger Ironie überzeugt, ist der deutschen Variante der feinsinnige Witz völlig abhanden gekommen. Dass man kurzerhand auf eine Verballhornung von James Bonds Agentennummer umschwenkte, war ursprünglich vielleicht sogar ein Schritt in die richtige Richtung – letztendlich aber doch eher ein Griff ins Klo.

 

Wenn Träume fliegen lernen (OT: Finding Neverland, 2004)

Schon klar, die Peter Pan-Entstehungsgeschichte handelt von der grenzenlosen Welt der Fantasie – die ging in in Bezug auf die Titel-Adaption in diesem Fall aber ein wenig mit den Verantwortlichen durch. Zumindest grenzten sie das Zielpublikum scheinbar auf romantische Hardcore-Eskapisten ein, die den Kopf nicht aus den Wolken kriegen – und entschieden sich dazu, den schlichten und schönen Originaltitel für den deutschsprachigen Markt in schwülstig triefendem Pathos zu ertränken.

 

Spiel mir das Lied vom Tod (OT: C'era una volta il West, 1968)

An Originaltiteln, die mit "Es war einmal ..." beginnen, herrscht im Kinouniversum ja kein Mangel. Bei Leone selbst kam diese Eröffnung sowohl für "C’era una volta il West "(z. Dt.: "Es war einmal im Westen") als auch für Once Upon a Time in America (z. Dt.: "Es war einmal in Amerika") zum Einsatz; für seinen neuesten Streifen hat sich auch Quentin Tarantino jener drei magischen Worte bedient. Im Sinne der Vielfalt gibt's an dieser poetischen deutschen Umbenennung also rein gar nichts auszusetzen. 

 

Zwei glorreiche Halunken (OT: Il buono, il brutto, il cattivo, 1966)

Weit weniger einfallsreich kommt die Neubetitelung in diesem Fall daher, die nicht nur die Anzahl des handlungstragenden Trios auf ein Duo reduziert, sondern einen auch eher an einen Bud Spencer/Terence Hill-Klamauk denken lässt, als gedanklich einen der ganz großen Western-Klassiker heraufzubeschwören.

 

Kick it like Beckham (OT: Bend it like Beckham, 2002)

"Bend" assoziiert man hierzulande wohl eher mit "bücken" als mit einem Beckham’schen Kurvengeschoss aus dem Fußgelenk. Insofern ist es eigentlich eh verständlich, dass das Wort durch "kick" ersetzt wurde. Andererseits hätte die Erkenntnis, dass "bend" eben noch mehr bedeuten kann, einige Leben eventuell grundlegend verändert.