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Stories
12/21/2019

SKIP Rewind 2019: Die besten Filme

Schönes altes Jahr! Wir spulen noch einmal zurück und präsentieren euch 10 Filme, die wir 2019 zum ersten, aber definitiv nicht zum letzten Mal gesehen haben.

Platz 10: "Joker"

Körniger Realismus statt CGI-Gemetzel, emotionaler Tiefgang statt oberflächlichen Gefühls-Geplänkeln, soziale Brennpunkte statt abgehobenen Weltrettungs-Szenarien – "Joker" demonstriert, welch ungeahntes Potential im Comic-Movie-Genre schlummert. Die Origin Story des legendären Batman-Bösewichts kommt ohne konkrete DC-Vorlage und auch ohne einen strahlenden Helden aus. Im Moloch Gotham (quasi gespielt von New York City) wird der psychisch labile Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) zum gewalttätigen Anarcho-Anführer. Unter der Regie von Todd Phillips ("Hangover") mauserte sich das riskante Filmprojekt zum Kritiker-Liebling und erfolgreichsten R-rated Movie aller Zeiten. Weltweit spielte der Film über eine Milliarde Dollar ein.

Platz 9: "The Farewell"

Da braucht man gar nicht lang daran herumdeuteln: Die lustigsten Leinwandmomente haben wir heuer recht eindeutig Frauen zu verdanken. Neben Olivia Wildes tollem "Booksmart" hat besonders Lulu Wangs Zweitling unsere Lachmuskeln erfreut – dabei aber eben auch das Herzerl in Aufregung versetzt: Ein solches aus Stein haben nämlich wirklich nur jene, die sich bei der auf einer "wahren Lüge" basierenden Geschichte von der Familie, die der Oma in China verschweigt, dass sie Krebs im Endstadium hat und extra eine Fake-Hochzeit ausrichtet, um sie noch einmal sehen zu können, nicht die eine oder andere Träne aus dem Augenwinkel wischen müssen. Darf man besonders aufgrund des kongenialen Zusammenspiels der bisher in "Ocean’s 8" und "Crazy Rich" noch fürs rein Klamaukige eingesetzten Musikerin/Moderatorin Awkwafina und der 75-jährigen Filmdebütantin (!) Zhao Shuzhen – ganz ungelogen! – als das Komödien-Highlight des Jahres bezeichnen.

Platz 8: "Midsommar"

Nachdem Ari Aster 2018 mit seinem Debütfilm "Hereditary" einfach mal so einen der verstörendsten Genre-Vertreter des aktuellen Jahrtausends aufs Publikum losgelassen hatte, war die Latte für seinen zweiten Streich natürlich hochgelegt. Mit Leichtigkeit schwang sich "Midsommar" dann heuer aber über diese und kam zum Teil sogar noch vor den Erwartungen der Kritiker zum Stehen. Nur alle 90 Jahre feiert die kleine schwedische Gemeinde in Asters Folklore-Horror Mittsommerfest auf, nun ja, sehr spezielle Art und Weise – und weil die Schweden ja bekanntermaßen ein gastfreundliches Völkchen sind, dürfen die sonnige Sause auch ein paar aus den USA angereiste Studenten mitzelebrieren. Im gleißenden Licht des nicht enden wollenden Tages nimmt alsdann subtil an die Substanz gehendes WTF-Grauen seinen Lauf. Bester Horrorfilm des Jahres!

Platz 7: "Der Leuchtturm"

Ein wenig hat er uns zwar die Vorstellung madig gemacht, wie es wohl wäre, mit Robert Pattinson auf einer abgelegenen Insel festzusitzen – im Sinne der Kinokunst sei Robert Eggers aber nochmal verziehen: Brillant verstörend in bedrohlich engen Schwarzweiß-Bildern erzählt der gefeierte Regisseur von "The Witch" im Nachfolger "Der Leuchtturm" nämlich die schaurige Geschichte zweier Leuchtturmwärter, denen ein heftiger Sturm die befreiende Abreise vereitelt und dann auch noch den vom selbstgebrannten Fusel gelockerten Verstand aus den Angeln hebt. Es folgt ein bizarres Psychoduell zwischen dem hager gehungerten Feschak Pattinson und seinem rauschebärtigen Gegenspieler Willem Dafoe, das die beiden an den sehenswert grausigen Rand des Wahnsinns treibt.

Platz 6: "Once Upon a Time in Hollywood"

In seinem neunten und (voraussichtlich) vorletzten Film übt sich Kult-Filmemacher Quentin Tarantino einmal mehr in alternativer Geschichtsschreibung und setzt zugleich dem Hollywood der Sechziger ein Denkmal. Auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit cruist ein ehemaliger TV-Star (Leonardo DiCaprio) mit seinem Stuntman (Brad Pitt) durch Los Angeles, zischt literweise Whisky Sours und träumt davon, ein Stück vom Ruhm seiner Nachbarin Sharon Tate (Margot Robbie) abzubekommen. Auf sie haben es jedoch die mordenden Hippies der Manson Family abgesehen. Gemächlich schleicht der Film seinem großen Showdown entgegen und verleitet am Ende mit rasanten Cuts und harten Bandagen zur Schnappatmung.

Platz 5: "Marriage Story"

Anno 2005 brachte die Aufarbeitung der Scheidung seiner Eltern  Noah Baumbach seine bisher einzige Oscarnominierung ein. Für die seiner eigenen von Jennifer Jason Leigh könnte er diesmal sogar einen gewinnen: Mit "Marriage Story" feiert der Filmemacher seinen bisher größten Hit. Es handelt sich tatsächlich um seinen bis dato besten Film – und das Rezept dafür war eigentlich einfach. Man packe schonungslos ehrlich all die schönen und schirchen Aspekte einer scheiternden Liebesbeziehung in ein Drehbuch, hole sich zwei exzellente Hauptdarsteller an Bord und erzähle dann mit gesunder Ironie beide Seiten der Geschichte. Tja, und wenn dann nicht nur Kritiker und Publikum, sondern sogar die Ex den von der gemeinsamen Scheidung inspirierten Film gut finden, weiß man, dass es aufgegangen ist.

Platz 4: "Avengers: Endgame"

Auch wenn zuletzt ein paar namhafte Regiegrößen ihre Keulen der Kritik Richtung Marvels Superhelden-Blockbuster schwangen: Für uns ist und bleibt das Grande Finale der Avengers-Reihe eines der einprägsamsten Spektakel des heurigen Kinojahres. Meisterlich haben die Verantwortlichen sämtliche Helden ihres Cinematic Universe noch ein letztes Mal im ganz großen Stil auf der Leinwand aufmarschieren lassen – und die illustre Runde im Zuge dessen erbarmungslos um einige ihrer bedeutsamsten Publikums-Lieblinge dezimiert. Die Community hat's verziehen, ja was heißt verziehen – gefeiert! Sprich, "Avengers: Endgame" hat vielleicht nicht die Scorseses & Coppolas dieser Welt überzeugt, dafür aber seine strengsten und gleichzeitig wertvollsten Kritiker – die eingefleischte Marvel-Fanbase – zum Jubeln gebracht.

Platz 3: "The Favourite"

Wenn es darum geht, um diese Jahreszeit noch besonders lebhaft in Erinnerung zu sein, haben jene Filme, die bereits in den ersten Monaten ihren Auftritt auf den Kinoleinwänden hatten, ja nicht gerade einen Startvorteil. Yorgos Lanthimos meisterhaft inszenierte Blaublüter-Groteske kann auf den aber ohnehin getrost verzichten: Wie sich sich hier Olivia Colman, Rachel Weisz und Emma Stone mit vehementer Zuspitzung in eine intrigante Ménage-à-trois stürzen, brennt sich nämlich wirklich nachhaltig ins Gedächtnis ein. Mit viel schwarzem Humor erzählt "The Favourite“ von kaputten Beziehungen und Machtspielchen genauso wie von verhängnisvollen Sehnsüchten und anderen menschlichen Unzulänglichkeiten – und das trotz königlicher Kulisse so nachvollziehbar und lebensnah, wie selten ein Film zuvor.

Platz 2: "Parasite"

Dass uns das südkoreanische Kino seit vielen Jahren mit erfreulicher Regelmäßigkeit mit echt edlen Pretiosen beschenkt, wurde hier ja schon öfter mal erwähnt. Neben Park Chan-wook ("Oldboy") zählt Bong Joon-ho zu den verlässlichsten Filmfreudenlieferanten. Dessen heuriger Cannes-Siegerstreifen "Parasite" versammelt die Stärken seiner bislang überzeugendsten Arbeiten – die würzige Sozialkritik von "Snowpiercer" und die vergnüglich verblüffenden Familiendynamiken von "The Host" – unter einem Dach. Doch, immer, wenn man sich unter selbigem auszukennen glaubt, zieht einem diese raffinierte Klassenkampfsatire mit Humor oder Horror auch gleich wieder den Boden unter den Füßen weg. Mal metaphorisch, mal buchstäblich. Der politisch relevanteste Film des Jahres ist zugleich auch einer der vergnüglichsten – solche Schätze schenkt einem halt derzeit wirklich nur Südkorea ...

Platz 1: "The Irishman"

Hat die Welt wirklich noch einen weiteren Gangster-Streifen gebraucht – selbst, wenn dieser von Martin Scorsese kommt? Nach den dreieinhalb Stunden seiner Verfilmung des True-Crime-Bestsellers "I Heard You Paint Houses", der das von der Mafia orchestrierte Verschwinden des Gewerkschaftsbosses Jimmy Hoffa thematisiert, muss man die Frage mit einem großen, fetten "JA!" beantworten. Mit Unterstützung (seiner) alter Haudegen (De Niro, Pesci; plus Neuzugang Pacino) und mit Hilfe richtungweisender Entalterungs-Technologie liefert uns der Großmeister hier ein packendes, vielschichtiges Schlusskapitel zu jenem Genre, das er mit "Goodfellas" und "Casino" selbst geprägt hat wie kaum ein anderer. Was "The Irishman" von diesen Meisterwerken sogar noch abhebt, ist ein von Wehmut besetzter Tonfall, ein schmerzhaftes Wissen um das Vergehen der Zeit und die bittere, durch keine Harte-Jungs-Geste abwendbare Endlichkeit der Dinge.