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Stories
03/15/2020

Spot on Südkorea: Diese 10 Filme müsst ihr gesehen haben

Der Oscar-Gewinner "Parasite" ist nur die Spitze des Eisbergs. Wir haben zehn dringende Filmempfehlungen aus Südkorea für euch!

Parasite (2019)

Es war ein Sieg für die Geschichtsbücher: Als erste nicht-englischsprachige Produktion überhaupt heimste Bong Joon-hos jüngstes Meisterwerk bei den diesjährigen Oscars die Auszeichnung für den Besten Film ein. Sie war genauso verdient wie der Cannes-Triumph ein Dreivierteljahr davor, versammelte die raffinierte Klassenkampfsatire darin doch die Stärken von Bongs bislang überzeugendsten Arbeiten – die würzige Sozialkritik von "Snowpiercer" und die vergnüglich verblüffenden Familiendynamiken von "The Host" – unter einem Dach. Bloß um einem immer dann, wenn man sich unter selbigem dann endlich mal auszukennen glaubte, mit Humor oder Horror gleich wieder den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Mal metaphorisch, mal ganz buchstäblich.

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Burning (2018)

Aka jener südkoreanische Film, dem in der Filmfestival-Saison vor "Parasite" die internationalen Kritikerherzen zugeflogen sind. Lee Chang-dongs 2018 erschienene Adaption einer Kurzgeschichte des Japaners Haruki Murakami zieht ihren erstklassig unruhig machenden Reiz, ihre unnachahmliche Spannung aus dem stets steigenden Grad der Ungewissheit, der dem nur auf den ersten Blick allzu augenfällig aufgebauten Liebesdreieck im Zentrum der Handlung eingeschrieben ist. Eine lange auf kleiner Flamme lodernde Psychothriller, der mit seiner komplex konstruierten Story, die einen meisterlich an der Nase rumführt, ebenso überzeugt wie mit der präzisen Vermessung der gesellschaftlichen Gräben eines gespaltenen Landes.

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Die Hauptdarsteller von "Burning" blicken in die Ferne, sitzend vor einer Glasfront.

 

Oldboy (2003)

Was war das für ein erleuchtender Moment, als in den österreichischen Nachrichten Park Chan-wooks "Oldboy" als Meisterwerk angepriesen wurde? Die ausgestrahlten Szenen zeigten Hauptdarsteller Min-sik Choi, der mit brachialem Handkanteneinsatz einen ganzen Schurken-Trupp erledigte. Martial Arts als Filmkunst, das war vor "Oldboy" im Mainstream des Westens kaum denkbar gewesen. Der elegische Thriller erzählt die Geschichte eines Trunkenbolds, der in ein fensterloses Zimmer gesperrt, jahrelang ohne soziale Kontakte gefangen- und trotz mehrerer Selbstmordversuche am Leben gehalten wird. Um seinen Verstand nicht zu verlieren, stählt der Häftling mittels Kampfsporttraining seinen Körper – und schwört seinem unbekannten Peiniger blutige Rache.

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Frühling, Sommer, Herbst, Winter ... und Frühling (2003)

Heute, wo ihm die nächste Generation von Regisseurs-Landsleuten längst den Rang abgelaufen hat, darf man ruhig noch mal dran erinnern, dass Kim Ki-duk das moderne koreanische Kino in den Nuller Jahren mit kompromisslosen und radikal brutalen Arbeiten wie "Seom – Die Insel" überhaupt erst auf die Landkarte gebracht hat. Obwohl Kim schließlich 2012 mit "Pieta" als erster Filmemacher seines Landes in Venedig den Goldenen Löwen einheimsen konnte, hat er sein Meisterwerk aber bereits eine Dekade davor abgeliefert – mit dieser buddhistischen Allegorie, die in ungewohnt leiser und lyrischer, zärtlicher und schwebender Manier den glaubensimmanenten ewigen Kreislauf des Lebens beschwört, ohne dabei je Banalitäts- oder Kitschalarm aufkommen zu lassen.

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Train to Busan (2016)

"Die Toten können nicht rennen", sagte George A. Romero einmal. Wenn er diesen Film von Yeon Sang-ho gesehen hätte, hätte er seine Meinung vielleicht doch noch geändert. Abgesehen von diesem einen Detail könnte das sozialkritische Horror-Kleinod "Train to Busan" ohnehin glatt vom Paten des Zombiefilms höchstpersönlich stammen. Wenn sich hier die gierigen Horden der Untoten zu unaufhaltsamen Lawinen türmen, wenn sich die Protagonisten aufs Tragischste die Hacke ins Kreuz hauen – dann wühlt dieser Film nämlich ähnlich tief in den fauligen Gedärmen unserer kapitalistischen Ego-Gesellschaft wie einst "Dawn of the Dead". Ein lehrreiches Erlebnis – das aber, wie es sich für einen guten Genrefilm gehört, auch mit viel Herz zur Sache geht und eine Menge Spaß macht.

Wer streamt's? Enthalten im "Home of Horror"-Channel bei Amazon Prime, zum Leihen oder Kaufen bei Amazon Prime, Google Play und iTunes

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Save The Green Planet (2003)

Ein Film, der gern mal übersehen wird bei Aufzählungen der Bestleistungen des Korea-Kinos. Was aber mehr über diese Listen aussagt als über das Werk selbst, das einem auch heute noch genauso wendungstoll, herzerfrischend durchgeknallt und überwältigend umgesetzt erscheint wie zur Zeit seiner Veröffentlichung. Hier hat es einen irrlichternden Genre-Bastard aus schwarzer Komödie und surrealem Thriller, aus SciFi, Horror und Liebesfilm, der alle paar Minuten ausgeflippte Plot-Pirouetten vollzieht – und diesen Affenzahn an neuen Aufregungen und Absurditäten dann sogar ohne Abnützungserscheinungen bis zu seinem steilen Ende durchzieht. Somit wäre "Save The Green Planet" eigentlich prädestiniert für ein Remake von Tarantino, sollte diesem noch die eine zündende Idee für seinen letzten Film fehlen. Denn Zündenderes als diesen Stoff gibt es nur sehr selten.

Wer streamt's? Netzkino (gratis), auf DVD bei Amazon bestellbar

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Durst (2009)

Lässt sich ein Priester mit einer tödlichen Krankheit infizieren und wird unabsichtlich zum Vampir. Was beinahe nach dem Beginn eines billigen Witzes klingt, ist der Plot eines der vielschichtigsten Blutsauger-Filme der letzten Jahrzehnte. "Oldboy"-Regisseur Park Chan-wook erzählt die Geschichte eines Mannes, der sich selbstlos opfern will, um der Medizin und damit anderen zu helfen – dann aber nicht aufhören kann, ausgerechnet jene auszusaugen, denen er doch eigentlich dienen wollte. Aufgeladen mit einer unwiderstehlichen Portion Melodrama aber auch einem gesunden Sinn für Ironie entwickelt sich dieses Horror-Drama zu einer opulenten Fall-Studie über menschliche Gelüste und verzwickte Gewissensfragen.

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Memories of Murder (2003)

Serienmörderfilme gibt es wie Sand am Meer, seit "Das Schweigen der Lämmer" (bitte mit Favabohnen und einer Flasche Chianti genießen!) das Genre Anfang der Neunziger populär gemacht hat. Der grausige Klassiker ist bis heute unerreicht, dahinter tummeln sich zahlreiche mäßig fesselnde Copycats. Auch Bong Joon-hos "Memories of Murder" scheint sich zu Beginn nicht von der breiten Masse abzuheben. Im zweiten Akt wird der Thriller interessant, im dritten schlichtweg genial. Die Jagd auf einen Serienmörder und -vergewaltiger hält eine Polizeitruppe im ländlichen Südkorea auf Trab. Der Neue im Team hält wenig von den gemeinhin auf die leichte Schulter genommenen Foltermethoden seiner Kollegen, verroht bei der Jagd nach dem Täter aber zusehends.

Wer streamt's? Enthalten in Sky Go

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Die Taschendiebin (2016)

So wendungsreich spielt Park Chan-wook ("Oldboy") in seinem letzten Meisterwerk mit den Erwartungen und Gefühlen der Zuschauer, dass über die Handlung gar nicht zu viel verraten werden darf. Wie in diesem optisch umwerfenden Thriller nicht nur einmal der Spieß umgedreht wird, davon dürften sich jedenfalls sogar Hollywoods beste Regisseure gerne einmal eine Scheibe abschneiden. Und gleich eine noch dickere davon, dass hier bei aller visuellen Überwältigung keineswegs wieder die sexistischen Blickweisen alter Männer zelebriert werden. Stattdessen geht dieser Film schonungslos mit ihnen ins Gericht und blüht zu einem schmerzhaft schönen Schlachtruf der Unterdrückten auf.

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The Host (2006)

Chemikalien-verseuchter Fluss bringt mutiertes Ungeheuer mit Gusto auf Menschenfleisch hervor – schon hundertfach im Kino (oder den angestaubten Laserdisc-Körberln am Flohmarkt) gesehen? Tja, aber eben nicht in der Version von Bong Joon-ho. Sein Monster Movie ist ein Familienfilm auf Abwegen, humorvoll, aber nie trashig, mit brillantem Seuchenpanik-Subplot, integrierter Medienschelte und massiver Kopfnuss für die Weltpolizei-Gelüste der USA. Kein Wunder, dass "The Host" auf Quentin Tarantinos Lieblingsfilm-Liste landete und (gerechnet am landesweiten Einspielergebnis) ein Fünftel der südkoreanischen Bevölkerung ins Kino lockte.

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Die Hauptfiguren von "The Host" rennen um ihr Leben über eine Wiese, im Hintergrund eine Autobahn