Streaming | Amazon
04/01/2020

"Tales from the Loop" (S1): "Wunderbare Jahre" trifft "Outer Limits"

Simon Stålenhag pflanzt SciFi-Artefakte in digitale Landschaftsgemälde. Die Amazon Studios machen daraus eine Serie zwischen "Wunderbare Jahre"-Nostalgie und "Outer Limits"-Mystery.

Tales from the Loop

Das Echo verrät, wie lange man noch zu leben hat. Russ (Jonathan Pryce) und sein Enkel Cole (Duncan Joiner) probieren es aus.

Tales from the Loop

Loretta (Rebecca Hall) im Herzen des Loop

Tales from the Loop

Etwas rumort unter der Erdoberfläche.

Tales from the Loop

Ato Essando in "Tales from the Loop"

Tales from the Loop

Wundersames tut sich in der Kleinstadt Mercer, wo zwar noch Wählscheibentelefone an der Wand hängen, doch haushohe Roboter durch die Wälder streunen. Wo altvatrische Gardinen den Blick auf futuristische Gebilde freigeben, die zwischen Feldwegen und Fischteichen in den Himmel ragen. Das Hightech-Equipment stammt aus dem Loop, einem unterirdischen Forschungslabor für experimentelle Physik, in dem der Wissenschaftler Russ (Jonathan Pryce) und seine Schwiegertochter Loretta (Rebecca Hall) das Unmögliche möglich machen. Nicht immer verstehen die beiden, was sie gerade in Gang setzen. Wie auch, bleibt ihnen doch der Kern des Loop, ein wummernder Ball aus schwebenden Toblerone-Steinen, ein absolutes Rätsel.

Wenn sogar Achterbahnen Filmreihen begründen ("Fluch der Karibik"), warum sollten Gemälde nicht als Streaming-Serien funktionieren? Die Bilder von Simon Stålenhag sehen ohnehin so aus, als hätte man im SciFi-Kino kurz mal auf Pause gedrückt. Showrunner Nathaniel Halpern verknüpft diese fantasievollen Impressionen mit Geschichten über das Altern, den Sinn der menschlichen Existenz, das Zeitreisen. Seine Message – bitte die simplen Freuden des Lebens genießen – unterstreicht Halpern mit einem Piano-Soundtrack, der fabelhaft in die Welt der Amélie gepasst hätte. Der das Extravagante aus dem Banalen und das Ewige aus dem Vergänglichen kitzeln will. Eine schier unmögliche Aufgabe, doch genau darum geht es schließlich auch im Loop.

Die Episoden, acht sind es in Staffel eins, stellen verschiedene Bewohner Mercers in den Mittelpunkt. Der Loop verknüpft ihre Schicksale und liefert zugleich den thematischen Rahmen ihrer Geschichten. Der Kreislauf des Lebens ist eine Schleife, kein Hamsterrad; es ist schön und beängstigend, seinen Platz darin zu suchen. Der junge Cole (Duncan Joiner) muss sich etwa zum ersten Mal in seinem Leben mit der Sterblichkeit auseinandersetzen. Einen Tierkadaver im Wald kann er aus sicherer Entfernung mit dem Stock piksen, doch das nahende Ableben seines Großvaters droht ihn aus der Bahn zu werfen. Was ist schwerer fassbar – zerbröselnde Einfamilienhäuser die langsam in den Himmel entschweben (wie im Trailer zu sehen), oder die Vorstellung des eigenen Todes? Um Fragen wie diese geht es in Tales From The Loop, um die Antworten müssen wir uns selbst kümmern.

"Tales from the Loop" – ab 03.04. auf Amazon Prime Video.