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02/25/2020

"Freud" (S1): Menschliche Abgründe im Babylon Wien

Freudscher Verbrecher. In der ersten Koproduktion von ORF und Netflix, unter Regie von "4 Blocks"-Regisseur Marvin Kren, dringt der hier noch blutjunge spätere Begründer der Psychoanalyse in die Tiefen einer kriminellen Verschwörung vor.

Der junge Dr. Freud hat’s nicht leicht. Sein gewagter Versuch, seine Kollegen für eine neuartige Heilmethode für Hysterie zu erwärmen, scheitert – die Technik der Hypnose wird von seinen Kollegen als Humbug abgetan. Vor versammelter Ärzteschaft verpatzt er eine Demonstration seines unorthodoxen Verfahrens und erntet dafür Spott und Hohn. Doch getrieben von seiner Überzeugung (sowie schluckerlweise Kokain) bleibt Freud dran – und kann bald erste Erfolge verbuchen: Das Medium Fleur Salomé, das das nach Unterhaltung lechzende Wiener Bürgertum dieser Tage mit ihren okkulten Séancen bei Laune hält, zeigt sich empfänglich für die scheinbar magischen Hände des ehrgeizigen Nervenarztes. Ihre düsteren Visionen bergen Antworten zu einem mysteriösen Verbrechen – das ruft auch den Polizisten Alfred Kiss auf den Plan. Hinweise in den Tiefen des Unbewussten führen die drei auf Verbrecherjagd in den Untergrund von Wien

Freud schreibt Geschichte. Nicht nur seinerzeitig als Begründer der Psychoanalyse, sondern gegenwärtig auch als erste österreichische Serienproduktion, die nicht nur beim öffentlich-rechtlichen Platzhirschen ORF, sondern auch in den internationalen Weiten der Streaming-Plattform von Netflix auf Zuschauerfang geht. Fünf Jahre hat der heimische Regie-Aufsteiger Marvin Kren ("Blutgletscher") die Idee ausgearbeitet, den weltberühmten Wiener Psychiater in eine düster morbide Krimi-Geschichte zu verwickeln, die potenziell auch nicht-österreichisches Publikum in ihren Bann zieht. Dass historische Wahrheit im Endergebnis situationselastisch überdehnt wird, zahlt im besten Sinne auf die Primetime-Tauglichkeit der Thriller-Serie ein – und die heuchelt geradeheraus halt auch nicht vor, ein faktentreues Biopic zu sein. Auf der Schwelle von Traum und Wirklichkeit fesseln vor allem Freud-Darsteller Robert Finster ("Kaviar"), Ella Rumpf ("Raw") als Fleur Salomé und Georg Friedrich ("Wilde Maus") als traumatisierter Kriegsveteran Alfred Kiss. Sie sorgen von Kren packend in Szene gerückt acht Folgen lang für tiefenpsychologische Murder Mystery mit Altwiener Charme. 

 

Wann und Wo:

ORF 1 zeigt am 15. März die zwei ersten Folgen ab 20.15, am 18. und 22. März dann die restlichen Folgen jeweils im Dreierpack um die selbe Uhrzeit

Auf Netflix ist "Freud" ab 23. März verfügbar