Streaming | Netflix
04/20/2020

"The Midnight Gospel" (S1): Scharfsinn im Text, Wahnsinn im Bild

Hochklassiger, schwindelerregender Brainf*ck vom "Adventure Time"-Schöpfer Pendleton Ward. Viel Spaß mit "The Midnight Gospel" auf Netflix.

The Midnight Gospel – Enthüllungen zu Mitternacht

Der Spacecaster Clancy stellt sich vor.

The Midnight Gospel – Enthüllungen zu Mitternacht

Clancy wirft seinen Multiversum-Simulator an.

The Midnight Gospel – Enthüllungen zu Mitternacht

Dieses Schwammerl erweitert den Horizont.

The Midnight Gospel – Enthüllungen zu Mitternacht

In "The Midnight Gospel" geht es auch manchmal blutig zu.

The Midnight Gospel – Enthüllungen zu Mitternacht

Clancy (li.) bei einem seiner Inter(dimensions)views

The Midnight Gospel – Enthüllungen zu Mitternacht

Nicht alle Befragten sind kooperativ.

Warum eine neue Netflix-Serie an einem Montag vom Stapel laufen lassen? Zu spät für einen ordentlichen Binge am Wochenende; zu früh, um schon die Home Office schleifen zu lassen. Das angestrengte Grübeln der (via Chat tagenden) SKIP-Redaktion wurde schließlich vom Chefredakteur beendet: Ist ja heute nicht irgendein Montag, sondern 4/20, in den USA der inoffizielle Feiertag des Cannabis-Konsums.

Auf den ersten Blick sieht "The Midnight Gospel" zwar eher trippy als eingeraucht aus – und so ganz nebenbei auch nach einer unbewältigbaren mentalen Herausforderung für notorische Kiffer – aber die Four-Twenty-Connection passt schon ganz gut. Die Serie dreht sich um den "Spacecaster" Clancy, der mit seinem Multiversum-Simulator in sterbende Welten reist, um deren Bewohner über die großen Themen des Lebens zu befragen (die beim Herumreichen eines Ofens schon mal aufkommen können).

Text-Bild-Schere mit feiner, aber scharfer Klinge

In Folge eins geht's etwa um die staatliche Legalisierung von Drogen. Zumindest im Gespräch, das Clancy bei seinem Besuch mit dem Präsidenten der USA führt – während sie sich im rasanten Schritttempo (!) durch eine Zombieapokalypse ballern. In der zweiten Episode diskutiert Clancy mit einem Hirschhund über die Tabuisierung des Todes – während die beiden auf einem Clownsplaneten zu Faschiertem verarbeitet werden.

Die Schere zwischen anspruchsvoller Sprach- und nach Aufmerksamkeit kreischender Bild-Ebene kann einem schon mal den Geduldsfaden durchtrennen. Was ist da gerade passiert? Was wurde da gerade gesagt? Zurückspulen und nochmal hinhören bzw. -sehen zahlt sich aus. Pendleton Ward, dem Schöpfer der ebenfalls ziemlich abgedrehten Serie "Adventure Land", und dem Comedian Duncan Trussell ist mit "The Midnight Gospel" ein selbst für Multitasker fordernder, herrlich schräger, mit Sicherheit bereichernder Wurf gelungen.

"The Midnight Gospel" ("Enthüllungen zu Mitternacht") – ab 20. April auf Netflix.