© Sky

Streaming | Sky
01/21/2020

"Babylon Berlin" (S3): Düsterer, dramatischer, dringlicher

Ausgefeiert. Die Weltwirtschaftskrise ist von allen unbemerkt im Anflug – und die Nazis scharren immer ungenierter in den Startlöchern. Vor diesem bedrohlichen Hintergrund gehen Gereon Rath (Volker Bruch) und Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) in der erneut exzellenten dritten Staffel des deutschen Serien-Exportschlagers nun in der Filmszene Berlins auf Verbrecherjagd.

Das von Sky und ARD gemeinsam gestemmte "Babylon Berlin" war 2017 nicht nur eine der kostspieligsten deutschen Serienproduktionen aller Zeiten, es war auch eine der erfolgreichsten. Gleichermaßen zum Kritikerliebling wie zum Quotenhit im Abo- wie danach auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wurde dieses die Weimarer Republik einfangende Gesellschaftspanorama – um danach auch noch fortwährend im Preisregen zu stehen und selbst über die Grenzen des deutschsprachigen Raums abgefeiert zu werden. Nachdem mit dem mächtigen Doppelschlag der ersten beiden Staffeln – die in einem Aufwasch gefilmt und ausgestrahlt wurden – der Beweis dafür, dass Deutschland auch Serie auf höchstem internationalen Qualitätslevel kann, also so bemerkenswert erbracht worden war, legt das kongeniale Autoren- und Regisseurs-Trio Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten nun erst mal zwar „nur“ eine neue Staffel nach. Die hat es dafür aber umso mehr in sich.

Das vermitteln gleich ihre ersten Bilder, die uns mitten in die Panik und den Ausnahmezustand des Börsencrashs 1929 katapultieren – und uns auf dramatische Weise vor Augen führen, dass das, was in den Roaring Twenties noch an Feierlaune vorhanden gewesen sein mag, nun ein für alle Mal verschwunden ist. Inmitten der aufziehenden Weltwirtschaftskrise beginnen sich auch in Gesellschaft und Politik grundlegende Änderungen abzuzeichnen – nichts könnte einem das beklemmender vor Augen führen als der unaufhaltsame Aufstieg des Nationalsozialismus. Und auch für die Künste bricht eine neue Zeit an: Die Tage des Stummfilms sind in den legendären Studios Babelsberg, in denen Klassiker wie Metropolis gedreht wurden, zugunsten des neuen Tonfilms gezählt. Nachdem ebendort eine bekannte Schauspielerin von einem herabstürzenden Scheinwerfer erschlagen wurde, nehmen der immer noch psychisch unstabile Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch) und die immer noch unterschätzte Kriminalassistentin Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) die Ermittlungen auf – denn eines ist klar: Unfall war das sicher keiner.

Zufall war es wiederum keiner, dass "Babylon Berlin" bei seiner Rückkehr, basierend auf "Der stumme Tod", dem zweiten Buch aus Volker Kutschers Romanreihe, noch einmal an Format und Gehalt zuzulegen vermochte. Dass Tykwer und Co. diese fragile wie faszinierende Welt im Wandel wie ihre Westentasche kennen, wusste man ja schon, vor dem Hintergrund kommender Katastrophen lassen sie Krimi-Aspekte und Gesellschaftsstudie hier nun aber noch stimmiger ineinandergreifen. Düsterer, dramatischer, dringlicher: Dieser dritte Streifzug durch "Babylon Berlin" ist sehr dazu angetan, das Renommee der deutschen Serienlandschaft nur noch weiter zu mehren.

"Babylon Berlin" (S3) – ab 24.01. auf Sky 1 & Sky X.