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04/23/2020

"Das Boot" (S2): Tauchgang mit Tiefgang

Auf zu neuen Ufern. In ihrer zweiten Runde gewinnt das Re-Boot des ewigen deutschen Film-/Fernseh-Klassikers weiter an Format und Tiefgang – und taucht unter anderem an der amerikanischen Ostküste wieder auf, um sich dort frischen Verschwörungen und unverhofften amourösen Verstrickungen zu widmen.

Einiges gewagt, aber auch einiges gewonnen hat man beim Abo-Fernseh-Anbieter Sky vor zwei Jahren mit der Serien-Neuauflage einer der populärsten deutschen Film-/Fernseh-Marken. Denn das hauseigene Quasi-Sequel zu "Das Boot", Wolfgang Petersens Antikriegserzählung aus 1981, war erstaunlicherweise nullnostalgisch zu Werke gegangen, hatte sich teils gravierende Abänderungen des Ausgangsstoffs erlaubt. Das sich in düsterer Klaustrophobie zuspitzende Geschehen auf einem deutschen Kriegsmarine-U-Boot war nur noch eine Story unter mehreren, darüber hinaus kam etwa auch die Widerstandsbewegung im französischen Hafenstädtchen La Rochelle sehr prominent vor – und mit ihr in diesem sonst so vor Männerschweiß so triefenden Universum auch spannende weibliche Charaktere. Die riskante Rechnung mit dem addierten Tiefgang ging auf: Die Kritik war der Produktion wohlgelitten, die Quoten stimmten bei der Erstausstrahlung auf Sky und der Free-TV-Premiere via ZDF – und schließlich wurde die Show auch erfolgreich in die Welt exportiert. 

Die Herausforderungen für den zweiten Törn waren also schon mal groß – und wurden auch dadurch nicht kleiner, dass sich mit dem Österreicher Andreas Prochaska das Mastermind der Debütstaffel in Richtung weiterführende internationale Aufgaben verabschiedet hatte. Die beiden neuen "Das Boot"-Steuermänner Matthias Glasner ("Der freie Wille") und Rick Ostermann ("Wolfskinder") begegneten ihrer Mission allerdings mutig mit noch zusätzlicher Ambition – in der Form von frischen Schauplätzen, Perspektiven und Figuren. Etwa jener von Serien-Quereinsteiger Clemens Schick: der gibt einen kriegsmüden Kommandanten, der mit seinem U-Boot Saboteure an der US-Ostküste abliefern soll, jedoch insgeheim andere Pläne hat und deshalb bald ein Verfolgungsboot unter dem Kommando von Stefan Konarskes einschlägig ungut bekanntem Korvettenkapitän auf die Fersen gehetzt bekommt. Weltenerweiternd auch die transatlantischen Ereignisse rund um Rick Okons in New York gestrandetem Kaleu: Der hatte an sich eine rasche Rückkehr ins Reich ins Auge gefasst, unvorhergesehene amouröse Entwicklungen und Verschwörungs-Verstrickungen bringen dieses Vorhaben aber heftig ins Wanken. Abseits der neuen Gesichter und Geschichten stellt sich auf dem europäischen Festland derweil die immer noch ungeklärte Frage, ob Tom Wlaschihas Gestapo-Arschloch die Täuschung durch seine vormalige Vertraute, Vicky Krieps’ Übersetzerin, wirklich überwunden hat. Es wurde also nicht nur das Spektrum erweitert, sondern auch vorausschauend schlau an gewissen Stellschrauben gedreht.

Den Einwänden einiger Bedenkenträger, wonach sich im Vergleich zur Vorlage anteilig zu wenig der Erzählung auf hoher See abgespielt habe, begegnet man in dieser zweiten Spielzeit etwa mit erwähntem zweitem Schiffs-Schauplatz. Die wahren Stärken dieses Re-Boots wurden im Zuge dessen aber nicht zurückgefahren, sondern gar noch offensiver ausgespielt: Der New Yorker Plot bereichert die Serie mit einem speziellen, so in diesem Format noch nicht verspürten Spirit ganz außerordentlich – nicht nur wegen des Mitwirkens von Vincent Kartheiser fühlt man sich da fast ein wenig an glorreiche Mad Men-Tage erinnert. Unterm Strich darf man also kühn behaupten, dass sich hier eine Show nun endgültig von allen tatsächlichen oder auch nur eingebildeten Fesseln und Vorgaben freigespielt und ihren ganz eigenen Takt und Rhythmus gefunden hat, sich mit einem engmaschig gezogenen Story-Netz und forschem, uns keine Zeit zum Durchschnaufen gönnendem Erzähltempo sogar noch zu neuen Höhen aufschwingen konnte. Und so kann man es eigentlich kaum erwarten, sich mit dieser begabten Besatzung so bald wie möglich auf einen dritten Tauchgang zu begeben.

"Das Boot" ist ab 24. April bei Sky zu sehen.