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01/31/2020

"The New Pope" (S1): Die linke und die rechte Hand Gottes

The Young Pope Jude Law ist so gut wie über den Jordan, also muss im erneut sinnlich bildbombastischen Sequel zur gleichnamigen HBO/Sky-Hitserie dringend Ersatz her. Doch was blüht Neo-Pontifex John Malkovich, wenn es wieder mal eine Auferstehung von den Toten gibt?

Es lässt sich echt nicht leugnen: Gottes höchstem irdischen Personal geht es grad nicht so besonders. Der junge Papst Pius XIII, bürgerlich Lenny Belardo (Jude Law), liegt nach den Geschehnissen des Finales von The Young Pope im Koma. Man kann nicht zwingend voraussetzen, dass das je wieder anders sein wird. Fieberhaft sucht der Heilige Stuhl also nach Ersatz. Zum zweiten Mal übrigens bereits hat der erste neue Papst in Folge einer internen Vatikan-Intrige doch bloß ein paar Tage im Amt überlebt. Der Menschenfreund wollte zu viel Umverteilung von Reich zu Arm, solch Leichtsinn sieht man innerhalb der heiligen Gemäuer nicht immer gern. In Sir John Brannox (John Malkovich), einem kultivierten wie exzentrischen britischen Aristokraten, der bereits in jungen Jahren ein prägendes theologisches Manifest verfasst hat, will man schließlich die beste Lösung für den dritten frischen Papst innerhalb eines Jahres gefunden haben. Doch als Johannes Paul III ist auch dieser für manche Überraschung gut, die nicht jedem im Vatikan schmeckt. Umgekehrt knabbert Brannox selbst schwer am Erbe seines ja noch lebenden Vorvorgängers. Kaum auszudenken, was erst los wäre, wenn dieser schließlich auch noch wieder aufwachen würde …


Wer jetzt meint, dass er die intensiven Auseinandersetzung zwischen ziemlich unterschiedlichen Pontifices und Glaubensauslegungen ja schon aus dem auf realen Geschehnissen basierenden Fernsehfilm Die zwei Päpste kennt, der hat die Rechnung freilich ohne Paolo Sorrentino gemacht. Der italienische Star-Regisseur und Oscarpreisträger kommt auch beim Anschlussprojekt an seine schillernde Seriengroßtat "The Young Pope" gar nicht erst auf die Idee, rein auf die Kraft gepflegter Gespräche zu setzen. Lieber (ver-)führt er uns, unterlegt von einer antreibenden Musikspur, auch von einer sehr sinnlichen, symbolschwangeren Szenerie zur nächsten, schwelgt ungeniert in der geilen Opulenz hyperstilisierter Bilder. Herausragend ist etwa jene auch schon im Trailer verwendete Traumsequenz, in der Papst Pius XIII nur mit weißer Speedo bekleidet in Super-Slow-Motion den Strand von Lido di Venezia entlangschlendert, während ihm Frauen in Bikinis Spalier stehen. Bei allem Super-Style beeindruckt die Koproduktion von HBO, Sky und Canal+ aber wie das Vorgängerformat ebenso als zutiefst humanistischer Kommentar zu ewigen Fragen des Glaubens im Speziellen und des Lebens im Allgemeinen. So finden Poppiges und Profundes hier erneut auf angenehm berauschende Weise zueinander – ganz im Sinne der Serie könnte man da glatt vermuten:
wie durch ein Wunder.

“The New Pope“ – ab 20.02. auf Sky Atlantic & Sky X.